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Rheumatoide Arthritis:
Was passiert im Gelenk?

Das menschliche Skelett besteht aus über 200 Knochen, die das Grundgerüst des Körpers darstellen und über Gelenke miteinander verbunden sind. Viele Gelenke garantieren uns Beweglichkeit und sind für diese Aufgabe wie folgt geschaffen:

Die Knochen sind durch einen Spalt voneinander getrennt. In diesem Spalt befindet sich eine Flüssigkeit, die Synovia, die von der Gelenkinnenhaut ("Synovialis") produziert wird und das Gelenk mit Nährstoffen versorgt und wie Öl in einem Scharnier das Gelenk "schmiert". Um die Reibung durch Bewegung zusätzlich zu vermindern und die Gelenke vor Abnutzung zu schützen, sind die Knochen an ihren Enden mit glattem Knorpelgewebe überzogen. Die Gelenkkapsel umgibt das gesamte Gelenk, und die Stabilität wird durch Bänder vervollständigt. Sehnen verbinden die Knochen mit der Muskulatur.

Das Immunsystem – eine schlagkräftige Abwehr

Man möchte es eigentlich nicht wahrhaben, aber unser Körper ist einem ständigen Angriff von außen ausgesetzt. Über die Nahrung gelangen unzählige Keime, Bakterien und Giftstoffe in unseren Magen-Darm-Trakt. Hier gilt es durch ein ausgeklügeltes System das Gute (Nährstoffe, Darmflora) vom Schlechten (Keime und Giftstoffe) zu trennen und Feinde effektiv abzuwehren.

Um die Verteidigung sicherzustellen, besitzt der menschliche Körper eine komplexe und schlagkräftige Abwehr – unser Immunsystem. Hauptdarsteller dieses faszinierenden Systems sind die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die in verschiedenen Verteidigungslinien arbeiten und über Botenstoffe (Zytokine) miteinander kommunizieren und weiter reichende Abwehrstrategien initiieren.

Im Körper geht die 1. Garde der Leukozyten, die Makrophagen, auf Streife. Sobald Fremdstoffe identifiziert sind, nehmen sie diese auf und bauen sie im Zellinneren ab. Deswegen bezeichnet man die Makrophagen sympathischerweise auch als Fresszellen. Die Makrophagen erstatten Bericht über ihre Aktivitäten, indem sie Bruchstücke der Fremdstoffe zusammen mit körpereigenen Erkennungszeichen (Dienstausweis) ihren Kollegen präsentieren. Die so genannten T-Zellen sind die Kollegen, die 2. Garde der Leukozyten. Sie entscheiden, ob weitere Maßnahmen notwendig sind und fordern gegebenenfalls Verstärkung an. Zu der Verstärkung zählen die B-Zellen, die 3. Garde der Leukozyten. Die B-Zelle hat die Ausbildung eines Spezialagenten, wenn man so will, der James Bond unseres Immunsystems. Ganz in 007-Manier werden diese B-Zellen gerufen, wenn ein spezieller Auftrag zu erfüllen ist. Ihre Waffen sind die so genannten Antikörper, hochspezifische Proteine, die den Eindringling in der Funktion einschränken, als Fremden kennzeichnen und somit "zum Abschuss freigeben". Die Spezialisierung der B-Zelle liegt in der Bindungsstelle ihrer Waffe, denn der Antikörper passt zu dem Eindringling wie ein Schlüssel zum Schloss.

Antikörper vom Typ IgG aktivieren andere Entzündungssubstanzen und vermitteln am wirkungsvollsten die Entzündung - in der Folge kommt es zu den bekannten Entzündungszeichen: Schmerzen, Schwellung und Rötung.

Wie oben erwähnt erfolgt die Kommunikation innerhalb des Immunsystems über Botenstoffe (Zytokine). Insbesondere über die Botenstoffe Tumornekrosefaktor alpha (TNFα), Interleukin 1 und Interleukin 6 wird die Abwehrreaktion intensiviert. Man bezeichnet sie daher auch als entzündungsfördernde Zytokine.

Andere Botenstoffe wie die Interleukine 4, 10 und 13 sorgen dafür, dass nach der erfolgreichen Abwehr wieder Ruhe und Ordnung hergestellt wird. Denn nach dem Spiel ist ja bekanntlich vor dem Spiel - die Entzündung wird gebremst und klingt ab. Die verantwortlichen Botenstoffe werden entzündungshemmende Zytokine genannt.

Die hohe Kunst der Verteidigung liegt im Management des Immunsystems:

  • Einschätzung der Lage und Unterscheidung zwischen "fremd" und "eigen" - Meins oder nicht Meins?
  • Koordination und Durchführung der Maßnahmen in angemessener Stärke - Einzelabwehr oder Verteidigung im Verbund?
  • Wiederherstellung des Normalzustandes nach Zielerreichung – Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!

Bei der rheumatoiden Arthritis funktioniert das Management des Immunsystems nicht korrekt - ein unrealistischer Vergleich wäre folgender:

Nach längerer Abwesenheit kehren die Besitzer eines Einfamilienhauses zurück und stellen einen Einbruch fest, die Diebe sind glücklicherweise nicht mehr im Haus. Der Einbruch wird an die Polizeizentrale gemeldet, die aus unbekannten Gründen mehrere Hundertschaften zur Klärung dieses einfachen Sachverhalts entsendet. Vor Ort erkennen sich die Hundertschaften untereinander nicht als Polizeibeamten. Sie greifen sich gegenseitig an und fordern über Boten ständig Verstärkung an. Zu allem Überfluss können sich die Boten nicht durchsetzen, die zur Klärung des Konflikts beitragen könnten – die Lage eskaliert!

Aus bisher ungeklärten Gründen sind bei der rheumatoiden Arthritis das Gleichgewicht und die Angemessenheit des Immunsystems aus den Fugen geraten:

Die Abwehr unterscheidet nicht mehr richtig zwischen "fremd" und "eigen" und greift körpereigene Strukturen, vor allem die Zellen der Gelenkinnenhaut (Synovialis), an. Immunzellen wandern zur Verstärkung aus dem Blut an den Ort des Geschehens. Die Botenstoffe TNFα, Interleukin 1 und Interleukin 6 intensivieren die Entzündungsreaktion. Diese Botenstoffe können mit Dominosteinen verglichen werden, die – einmal angestoßen – alle weiteren Steine im Rahmen der Kettenreaktion einer Entzündung nacheinander umfallen lassen. Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis konnte z. B. TNFα in großen Mengen in betroffenen Gelenken nachgewiesen werden. Dies belegt, dass dieser Botenstoff in unmittelbarer Umgebung des Krankheitsgeschehens aktiv ist.

Wie in einem Teufelskreis regen die Botenstoffe ihre eigene Nachproduktion an, womit die Entzündung in Gang gehalten und intensiviert wird - die Entzündung wird chronisch.

Durch die Entzündung kommt es bei der rheumatoiden Arthritis zur vermehrten Durchblutung und Hautrötung. Im entzündlichen Schub sind die Gelenke oft überwärmt und schmerzhaft geschwollen, denn die entzündete Gelenkinnenhaut sondert übermäßig viel Synovia ab und es entsteht ein Erguss. Heilt eine akute Entzündung ab, so hinterlässt sie in der Regel keine Spuren, es bildet sich neues Gewebe. Kommt der Prozess bei einer chronischen Entzündung jedoch nicht zum Stillstand, ist die Wiederherstellung des Gewebes kaum möglich. Stattdessen bildet sich vermehrt Bindegewebe, ähnlich überschießendem Narbengewebe, das bei der rheumatoiden Arthritis als Pannus bezeichnet wird. Dieses Bindegewebe überzieht zunächst die Gelenkflächen und kann später in Knorpel und Knochen hineinwachsen.

Grafische Abbildung eines entzündlich veränderten Gelenks

Gelenknahe Strukturen wie Kapsel, Sehnen und Bänder werden von der Entzündung mit erfasst, was zur Instabilität und Fehlstellung des Gelenkes beiträgt. Ist das Knorpelgewebe zerstört und der Gelenkspalt verschmälert, kommt es zu einem direkten Kontakt der Knochen und die beiden Knochenenden können zusammenwachsen (Ankylose). Die Folge ist eine Versteifung der Gelenke und ein Verlust der Funktionsfähigkeit.

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