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Expertenrat CED Expertenrat - Gastroenterologie
Herzlich willkommen bei unserem Expertenrat. Fachexperten beantworten hier Ihre Fragen! Nachfolgend finden Sie eine Übersicht aller bereits veröffentlichten Themen. Mit Klick auf den
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Alle Fragen zum Thema Leben mit CED:
Patientenfrage:
vor zwei wochen OP,wegen unterbauchschmerzen,,,es waren verwachsungen,,,vier tage nach OP,,,wieder unterleibschmerzen,,blutwerte schick,,,,,,kann es wieder mit verwachsungen zu tun haben???
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,
Bauchschmerzen nach Operationen können viele verschiedene Ursachen haben. Diese können von postoperativer Darmträgheit, einem abgekapselten Infektherd oder vielen, vielen anderen Ursachen eben auch neu aufgetretenen Verwachsungen herrühren. Ohne Kenntnis Ihrer Befunde ist dies aber reine Spekulation. Ihr behandelnder Arzt wird zur weiteren Abklärung die geeigneten Untersuchungen veranlassen.
mit freundlichen Grüßen
Dr. S. Nikolaus
Patientenfrage:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin 35 Jahre alt und habe höchstwarscheinlich Colitis ulcerosa lt. meinem Proktologen. Er will und kann sich wohl noch nicht so recht festlegen. Nachdem ich seit Anfang Feb. 2012 Prednisolon /Kortison nehme (anfangs 40 mg, jetzt seit Mitte/Ende Feb. konstant 5 mg) ist die Entzündung besser geworden. Ich selbst merke überhaupt nichts mehr. Nur in der Spiegelung sind noch ca 15 cm ab After noch entzunden.
Meine Frage: Mein Mann und ich möchten gerne ein zweites Kind. Ist es bei Einnahme Kortison in dieser 5mg-Dosis in Ordnung, eine Schwangerschaft zu planen? Der Proktologe sieht es als in Ordnung an. Die Frauenärztin meint (nach kurzer tel. Anfrage), ich solle noch warten...
Ich bin aber schon 35 Jahre alt und will keine Oma-Mama sein...
Vielen Dank für Ihre Antwort.
E.F.
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrte Frau F.,
zunächst einmal ist es wichtig, dass die Diagnose einer Colitis ulcerosa gesichert ist. Dazu ist unbedingt eine "große Darmspiegelung", also eine Spiegelung des gesamten Dickdarms incl. des letzten Stücks des Dünndarms mit Entnahme von Gewebeproben aus allen Darmabschnitten erforderlich. Eine Enddarmspiegelung reicht hier nicht aus. Das ist wichtig, um die Diagnose "CED" zu sichern und eine Unterscheidung zwischen einer Colitis ulcerosa und einem M. Crohn vorzunehmen und dann die für Sie geeignete Therpie auszuwählen.
Eine Dauertherapie mit Cortison ist ausserdem nicht in der Lage, eine Entzündung dauerhaft vollständig zu unterdrücken. Cortison kann als Dauertherapie angewendet dazu noch eine ganze Reihe unerwünschter Nebenwirkungen wie z.B. Knochenentkalkung (Osteoporose), Zuckerkrankheit (Diabetes) und Bluthochdruck hervorrufen. Cortison sollte lediglich zur Akutbehandlung eingesetzt werden. Sofern es sich bei Ihnen tatsächlich um eine Colitis ulcerosa mit Enddarmbefall handelt, gibt es wesentlich potentere und nebenwirkungsärmere Medikamente zur Behandlung der Colitis ulcerosa. Möglicherweise ist eine Therapie mit Mesalazin-Zäpfchen oder -Schaum in Ihrem Falle ausreichend und das Cortison könnte nach Maßgabe Ihres behandelnden Arztes langsam ausgeschlichen werden.
Ich kann Sie auf jeden Fall dahingehend beruhigen, dass sowohl die Einnahme von Cortison als auch Mesalazin (sowohl in Form von Zäpfchen oder Schaum als auch von Tabletten) in der Schwangerschaft als sicher eingestuft werden kann. Empfehlenswert ist aber auf jeden Fall, bei einer geplanten Schwangerschaft, dass Sie sich einen auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen spezialisierten Arzt suchen oder sich in einem auf CED spezialisierten Zentrum vorstellen (Adressen hierzu finden Sie z.B. auf der Homepage des Kompetenznetz CED (www.kompetenznetz-ced.de)), um sich vor und während der Schwangerschaft gemeinsam mit Ihrem Gynäkologen kompetent beraten und die Schwangerschaft überwachen zu lassen.
mit freundlichen Grüßen
Dr. S. Nikolaus
Patientenfrage:
Hallo! Ich bin 28 Jahre alt und vor 3 Jahren wurde bei mir in einem schweren Schub Morbus Crohn festgestellt (3 Wochen stationärer Aufenthalt mit Kortisoninfusionen). Seit 2 Jahren nehme ich nur noch Salofalk in der Dosis 3 gr/Tag und bin alle 3 Monate zur Blutkontrolle. CRP ist immer ganz leicht erhöht. Ich habe 2-4 Stuhlgänge am Tag und öfter Blähungen, aber niemals Durchfall oder Bauchschmerzen. Mein Problem ist nur, dass die Stuhlgänge sehr spontan einsetzen und ich dann auch sofort auf eine Toilette angewiesen bin. Aus Angst vermeide ich schon Aktivitäten wie Spaziergänge. Einkaufen nur, wenn eine Toilette vor Ort ist. Auch in Bezug auf meine Jobsuche habe ich leider schon Nachteile erlebt, wenn nicht ständig die Möglichkeit besteht kurzfristig auf die Toilette gehen zu können. Mein Gastroenterologe schlägt eine erneute Koloskopie vor. Was kann ich sonst noch gegen die unerwarteten Stuhlgänge tun oder ist dies eher "Kopfsache". Bekomme ich bei meinen Beschwerden schon einen Behindertenausweis, damit ich nicht mehr so leicht gekündigt werden kann? Vielen Dank!
Mit freundlichen Grüßen.
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrte Patientin,
Das Problem, das Sie schildern ist ein Symptom, das typisch ist, sofern der Enddarm entzündet ist. Man nennt das "proktitische Beschwerden", weil hier der Kontinenzapparat entzündet ist und es durch die Reizung dazu führen kann, dass ein heftiger Stuhldrang ausgelöst wird. Dieser kann zusätzlich auch noch so plötzlich auftreten, dass man den Stuhlgang kaum noch kontrollieren kann. In der Regel helfen da topisch wirkende Präparate wie Mesalazin- haltige Zäpfchen, Rectalschaum oder Einläufe sehr gut um das Problem zu bessern. Auch topische Präparate mit dem Wirkstoff Budenosid kommen hier zum Einsatz. In der Regel schlägt diese Therapie dann bei regelmäßiger und zuverlässiger Anwendung sehr schnell an.
Abgesehen davon können aber bei disen Beschwerden auch höhere Darmabschnitte betroffen sein. Es ist daher wichtig, den Erfolg einer Therapie regelmäßig zu kontrollieren (am besten wenigstens halbjährlich mit Ultraschall und bei chronischen Verläufen alle 1-2 Jahre mit einer Darmspiegelung). Dies ist besonders deshalb wichtig, um Komplikationen schnell zu erkennen (z.B. Engstellen oder Fisteln) und frühzeitig eine medikamentöse Therapie anzupassen um Operationen zu vermeiden.
Nach Ihren Schilderungen scheint ihre CED derzeit nicht gut eingestellt zu sein. Sofern es möglich ist, mit einer Anpassung der medikamentösen Therapie die Entzündung besser in den Griff zu bekommen, wird sich auch automatisch Ihre Lebensqualität bessern. Das wird sich sowohl auf den privaten als auch den beruflichen Bereich positiv auswirken. Geben Sie sich also einen Ruck und machen Sie den ersten Schritt um Ihrem Hausarzt die Möglichkeit zu geben den aktuellen Entzündungsstatus mit einer Darmspiegelung festzustellen und eine für Sie geeignete Therapie auszuwählen.
Ob Sie wegen Ihrer Beschwerden schon einen Schwerbehindertenausweis bekommen, hängt vom Schweregrad Ihrer Erkrankung ab. Aus den von Ihnen geschilderten Beschwerden alleine kann ich das nicht ableiten. Den Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis können Sie beim Versorgungsamt beziehungsweise Landesamt stellen. Die jeweilige Adresse kann man beim Bürgeramt der Stadt erfragen. Es werden dann in der Regel von dort aus von Ihren behandelnden Ärzten Befunde angefordert und dann über Ihren Antrag entschieden.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. S. Nikolaus
Patientenfrage:
Hallo,
meine Krankheitsgeschichte ist auch etwas länger, aber versuche mich kurz zu fassen:
Habe seit 8 Jahren Colitis Ulcerosa (bin 24), wurde zu Beginn mit hochdosiertem Cortison über einen langen Zeitraum behandelt, dann etwa 2-3 Jahre mit Azathioprin, danach/jetzt nur noch Salofalk1500mg/Tag. In dieser Zeit ging es mit meinen Beschwerden auf und ab, das Blut in den Durchfällen ging letztendlich weg. Das Problem ist das ich trotz Medikamenten jeden Tag mit Durchfällen zu kämpfen habe. Brauche etwa 6 Loperamid um durch den Tag zu kommen, und nicht mal die helfen immer zuverlässig. Mein Arzt weiß darüber Bescheid, meinte jedoch das sei nur psychisch bedingt, da bei der letzten Darmspiegelung vor 2 Jahren nur der Befund einer leichten Entzündung rauskam, hauptsächlich im Enddarm (habe Salofalk Zäpf. dafür bekommen, die aber auch nicht viel helfen). Meine Frage wäre nun ob man die täglichen Beschwerden auf die Colitis zurückführen kann oder ob wirklich die Psyche (Stress usw.) da viel mitreinspielen kann? Ich bin noch sehr jung und hatte seit der Diagnose keinen einzigen Tag an dem ich komplett beschwerdefrei war (soweit ich mich erinnern kann), deswegen frage ich mich schon was da los ist und warum die Medikamente nicht helfen. Ich habe auch schon von einer chronisch aktiven Colitis gehört, ist das in meinem Fall möglich?
Ist jetzt doch ein wenig länger geworden. Würde mich sehr über eine Antwort/Einschätzung freuen.
Gruß D.
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrte Frau D.,
für Ihr Anliegen habe ich größtes Verständnis. Es ist gut nachzuvollziehen, dass Ihre Lebensqualität durch die anhaltenden Diarrhöen erheblich eingeschränkt ist. Sicher haben Stress oder andere psychische Belastungen Einfluss auf die Darmtätigkeit. Ihren Schilderungen nach, denke ich jedoch, dass die nachgewiesenen Entzündung der Darmschleimhaut - insbesondere im Enddarm - Auslöser der Beschwerdesymptomatik ist. Es gibt sehr wohl chronisch-aktive Formen der Colitis ulcerosa. Hier ist eine Intensivierung der Therapie anzuraten. Waren Sie unter der Azathiopringabe beschwerdefrei? Gab es Gründe, diese Therapieform zu beenden? Sind Infektionen des Darms (auch mit Viren) ausgeschlossen worden?
Gemäß den Empfehlungen der Fachgesellschaften wäre bei Ihnen eine Kortisonstosstherapie und nachfolgend eine kortisonsparende Dauertherapie mit z.B. Azathioprin anzuraten. Dies ist jedoch eine Einzelfallentscheidung, die Ihr Arzt treffen muss.
Wünsche Ihnen alles Gute !
Jan-Michel Otte
Patientenfrage:
Bei mir wurde vor kurzem die chronische Krankheit Morbus Crohn festgestellt. Wie soll ich damit umgehen? Außerdem interessiert mich, wie viel Patienten mit MC im Durchschnitt ein Allgemeinarzt in der Praxis betreut.
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrter Herr T.,
bei der Vielzahl an Krankheitsbildern, die ein Allgemeinmediziner behandelt, stellen die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sicher nur einen geringen Bruchteil dar. Vielen dieser Patienten werden, insbesondere auch bei schwereren Verläufen, in Spezialambulanzen und gastroenterologischen Fachpraxen gesehen.
Ich habe den Eindruck, dass Ihnen mit einem ausführlichen Gespräch und viel Information über den M. Crohn, Behandlungsmöglichkeiten, notwendige weitere Schritte etc. geholfen werden kann. Dies sollte immer unter Berücksichtigung des individuellen Krankheitsbildes erfolgen. Sprechen Sie ihren Hausarzt / -ärztin direkt darauf an!
Wünsche Ihnen alles Gute !
J.-M. Otte
Patientenfrage:
Gibt es für Remicade-Patienten besondere Empfehlungen bzgl. von Haustieren übertragbaren Infektionskrankheiten, bzw. zur Haltung von Haustieren im Allgemeinen?
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrter Herr S.,
Für mit Remicade- behandelte Patienten gelten keine besonderen Einschränkungen im Bezug auf die Auswahl oder den Verzicht auf Haustiere. Da es sich bei Remicade allerdings um ein Medikament handelt, welches die Immunabwehr unterdrückt, sollte auf besonders intensiven Kontakt mit dem Haustier wie intensives Knuddeln mit Gesichtskontakt und Zulassen, dass das Haustier mit im Bett schläft, verzichtet werden. Auch auf das Händewaschen nach dem Streicheln eines Hundes oder einer Katze sollte geachtet werden. Diese Maßnahmen sind in der Regel auch für Immunsupressiva- behandelte Patienten ausreichend um sich vor durch Tiere übertragbare Infektionskrankheiten zu schützen.
Mit freundlichen Grüßen
S. Nikolaus
Patientenfrage:
Im Jan.2011 ist eine linksseite CU festgestellt worden die bis August mit 2x3 Salofalk 500 und Schaum (Kortison) behandelt wurde, danach Reduziert auf 1x3Stück. Jetzt ist alles so weit in Ordnung so das ich eigentlich der Meinung bin wieder ohne Medikamente auskommen zu können. Meine Frage ist jetzt muss ich die Salofalk 500 (3Stück vor dem Frühstück)ein Leben lang einnehmen und es hat ja jedes Medikament so seine Nebenwirkungen.
mit freundlichen Grüssen B. R.
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrter Herr R.,
Leider kann eine Colitis ulcerosa mit Medikamenten aktuell nicht geheilt werden. Es kann lediglich der Verlauf günstig beeinflusst werden. Das Mesalazin, das bei Ihnen zur Therapie der Colitis eingesetzt wird, hat neben einem direkten entzündungshemmenden Effekt auch eine sog. remissionserhaltende Komponente. D.h. es hilft auch, dass der nächste Schub (der mit Sicherheit irgendwann kommen wird) später und abgeschwächter ausfallen wird. Das Mesalazin hat ausserdem noch eine weitere Wirkung: Sicherlich wissen Sie, dass Patienten, die eine Colitis ulcerosa mit chronischem Verlauf haben, über die Jahre ein erhöhtes Risiko entwickeln, einen Darmkrebs zu bekommen. Deshalb sollten dann auch regelmäßig Darmspiegelungen zur Kontrolle durchgeführt werden. In Studien konnte gezeigt werden, dass Mesalazin dieses Krebsrisiko senkt.
In der Regel werden Mesalazinpräparate sehr gut vertragen und die Nebenwirkungsraten sind gering. Es ist daher wirklich empfehlenswert, das Mesalazin regelmäßig einzunehmen... auch wenn man sich gut fühlt!
Mit freundlichen Grüßen
S. Nikolaus
Patientenfrage:
Seit ca. 28 Jahre habe ich Morbus Crohn und wurde zweimal wegen Stenosen operiert.Zur Zeit nehme ich Azathioprin und Budenofalk.Ich kann inzwischen gut mit der Krankheit umgehen und scheue mich nicht davor,mit anderen darüber zu reden und auf mein Handicap hinzuweisen,wenn es nötig ist
.Das bringt mir ein Stück Lebensqualität zurück.Ich plane eine vierte USA-Reise und möchte mich besser vorbereiten auf den langen Flug.Kann ich folgende Medikamente einnehmen?
Loperamid
Lefax extra Granulat
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrte Frau B,
die von Ihnen genannten Medikamente können Sie einnehmen, insbesondere, wenn es nur vorübergehend ist. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Dosierung und probieren Sie diese vor dem langen Flug aus. Ich empfehle ferner die üblichen Ratschläge für einen Langstreckenflug (viel Trinken (keinen Alkohol), Bewegung zwischendurch etc.) umzusetzen - dann ist Ihr Körper nicht so gestresst.
Wünsche Ihnen einen schönen Urlaub !
Beste Grüße.
Jan-Michel Otte
Patientenfrage:
In einem Patientenblog regen betroffene über CU und Zucker: es gäbe bis heute kein wirkungsvolles Medikament außer einer chinesischen Entwicklung, die in Deutschland nicht zugelassen ist. Standardmedikamente können zu Unterzuckerung und zum Tod führen. Ihr Kenntnisstand?
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrter Herr R.,
bei der von Ihnen zitierten Studie handelt es sich wahrscheinlich um diese:
Liang HL, Ouyang Q.: A clinical trial of combined use of rosiglitazone and 5-aminosalicylate for ulcerative colitis. In: World J Gastroenterol. 2008 Jan 7;14(1):114-119.
Text online unter externhttp://www.wjgnet.com/1007-9327/14/114.pdf
Die hier verwendete Substanz "Rosiglitazon" (Avandia) wird in der Diabetestherapie aufgrund von möglichen schwerwiegenden Nebenwirkungen am Herzen nur noch sehr zurückhaltend eingesetzt und ist beispielsweise in den USA mit dem Beginn diesen Monats nur noch auf Antrag für Patienten zugelassen, die andere "Zuckermedikamente" nicht vertragen. Eine Zulassung und Empfehlung zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gibt es nicht ! Unterzuckerungen aufgrund von Standardmedikamenten in der Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kommen eingentlich nicht vor.
Beste Grüße,
Jan-Michel Otte
Patientenfrage:
Hallo, guten Abend! Mein Sohn -23J. - hat CU (seit 2010) und nun seit dem Akne mit starken Schüben. Bisher hat er bei Hautärzten und seinem Gastroenterologen keine Hilfe/Antworten gefunden, da es hieß, er dürfe kein Antibiotikum zusätzlich zu seinem Medikament Claversal nehmen. Gibt es andere Medikamente, die zu Claversal "kompatibel" sind? Äußere Mittel helfen nur gering.
Gibt es Hilfe? Er studiert in Kiel.
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrte Frau P.,
in Kiel gibt es an der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums eine hervorragende Ambulanz für Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Ich empfehle, dass sich Ihr Sohn dort einmal vorstellt. Da die Hautklinik direkt gegenüber liegt, kann auch dort eine konsiliarische Vorstellung und Mitbehandlung erfolgen.
Wünsche Ihrem Sohn alles Gute.
Patientenfrage:
Seit mehr als über 9 Jahren habe ich nun mit Colitis ulcerosa zu tun. Eigentlich fühle ich mich gut. Die Schübe haben über die Jahre nachgelassen, was ich auf eine strikte Ernährungsumstellung und einer Dauerbehandlung mit Salofalk zurückführe. Ich habe mich auch damit abgefunden, dass ich mit dieser Krankheit leben muss. Meine Frage ist nur, wie wirkt diese Krankheit im Alter, bzw. mit welchen Spätfolgen ist zu rechnen. Werden wir alle künstliche Darmausgänge bekommen oder wird eine OP zur Darmkürzung unvermeidlich? Was wird mich bzw. uns erwarten, wenn die Fortschritte in der Forschung ausbleiben?
Vielen Dank.
Antwort unseres Experten:
Prinzipiell unterscheidet sich die Lebenserwartung von Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen nicht wesentlich von denen anderer Menschen. Wenn die Erkrankung gut behandelt ist und keine Schübe auftreten, Sie sich also in Remission befinden, werden Sie auch keinen künstlichen Darmausgang oder eine Kürzung des Darms brauchen. Wichtig ist, auch in solchen Ruhephasen regelmäßig (mindestens alle 2 Jahre) eine Darmspiegelung durchführen zu lassen. Grund hierfür ist insbesondere, dass das Risiko für die Entwicklung eines Darmkrebses leicht erhöht ist. Ferner sollten Sie Ihre Therapie fortführen. Diese scheint im Moment ausreichend für Sie zu sein und kann dies auch noch über Jahre / Jahrzehnte so sein. Ich kann Ihnen aber auch schon heute versichern, dass an vielen Orten der Welt sehr intensiv und mit gutem Erfolg an neuen und alternativen Therapieformen gearbeitet wird.
Patientenfrage:
Dickdarmentfernung empfehlenswert?
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrte Frau J.,
der Dickdarm hat, obwohl man natürlich auch ohne ihn auskommen kann, schon eine wichtige Funktion im Körper. Die Frage kann ich also so nicht beantworten. Einen gesunden Dickdarm würde man selbstverständlich nicht entfernen, und einen kranken Dickdarm nur unter bestimmten Voraussetzungen. Damit ich Ihre Frage beantworten kann, brauche ich schon ein paar mehr Informationen.
mit freundlichen Grüßen
Patientenfrage:
Wie häufig sollte man, als Colitis ulcerosa Patient, zu einer Darmspiegelung gehen?
Ist bei einem akutem Schub eine Medikation mit Salofalk Granu Sticks und Rektalschaum ausreichend?
Kann es sein, dass ein Colitis ulcerosa nie eindeutig, anhand von Proben, bestimmt werden kann?
Wie sieht die ideale Ernährung aus, wenn man bereits schon extrem abgenommen hat?
Im voraus herzlichen Dank für Ihre Antworten.
Viele Grüße J. I.
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrte Frau I. !
1. Eine Darmspiegelung sollte alle 2-3 Jahre mit ausführlicher Biopsieentnahme erfolgen. Dies gilt auch für schubfreie Intervalle.
2. Die adaequate Schubmedikation hängt von der Aktivität, der Ausbreitung und der bisherigen Medikation ab. Prinzipiell kann aber eine Therapie mit Granu- Sticks und Rektalschaum ausreichend sein.
3. Es gibt Fälle, in denen die Art der CED anhand von feingeweblichen Proben nicht und nie eindeutig festgelegt werden kann. Das klinische Bild, der endoskopische Befund, die Ausbreitung und weitere Krankheitsmerkmale können bei der Zuordnung helfen.
4. Es gibt keine Crohn oder Colitis-Diät im eigentlichen Sinne, wohl aber eine sinnvolle Ernährung. Versuchen Sie sich ausgewogen zu ernähren. Sollten Sie weiterhin ungewollt an Gewicht verlieren, bedarf dies einer weiteren Abkärung. Bei persistierender entzündlicher Aktivität im Darm ist dann ggf. eine Therapieanpassung erforderlich.
Mit freundlichem Gruß.
Dr. Jan-Michel Otte
Patientenfrage:
sehr geehrte Herren.
Bei mir wurde 2004 eine CU in den letzten 15cm des Darms diagnostiziert.
In 2005 kam die Erkenntnis von Diabetes Typ 2 hinzu. Werte sind optimal eingestellt HB1C <6,5
Medikamentierung 2x1 Metformin1000, 0,5 climeclamid 3,5. Die CU wird mit regelmässigen Nutzung von Colifoam Rektalschaum beschwerdefrei gehalten. Blutungen sind seid 1 Jahr keine mehr vorhanden.
Allerdings reagiert mein Körper ca 30-60min nach Mahlzeiten immer mit extremem Stuhldrang mit Krämpfen. Ebenso habe ich morgens nach dem Aufstehen meistens 2-4 Stuhlgänge innerhalb der ersten 30Min. Danach ist meist erstmal Ruhe.
Der Toillettenrhytmus liegt aber rund um die Uhr bei ca. 2,5-3Std. Ich blähe sehr oft rund um die Uhr, was auch für mein Umfeld sehr belastend ist. Mein Gastroenterologe weiß irgendwie auch nicht weiter. Die letzte Darmspiegelung ist ca. 1Jahr her. Wissen Sie noch guten Rat??
Vielen Dank im Vorraus. J.H.
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrter Herr H.,
das fehlende Blut im Stuhl ist eigentlich ein gutes Zeichen, die CU scheint in der Tat in einer Ruhephase zu sein. Trotz Ruhephase haben viele CU-Patienten oft Beschwerden wie von ihnen geschildert, morgendlicher Stuhlgang und auch Blähungen. Wir wissen selbst nicht genau warum dies oft der Fall ist. Komisch sind allerdings die Beschwerden nach dem Essen, ist hier mal eine Gastroskopie erfolgt?
Ihre Beschwerden könnten auch mit dem Metformin zusammenhängen, das kann solche Symptome als Nebenwirkung verursachen. Falls hier ein zeitlicher Zusammenhang besteht, sollten sie eine Reduktion/Pause/Umstellung des Metformins in Erwägung ziehen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. C. Büning
Patientenfrage:
Sehr geehrte Herren, vor 2,5 Jahren wurde bei mir HIV diagnostiziert. Vor 12 Monaten ist auch eine Colitis Ulcerosa dazu gekommen. Zunächst hat Mesalazin ausgereicht, zwischenzeitlich war jedoch auch Kortsion nötig, welches aber inzwischen abgesetzt wurde.
Seit Mai 2009 habe ich auch eine HIV-Therapie: Norvir, Prezista und Truvada.
Meine Frage: gibt es Erfahrungen bzgl. HIV und CU? Krankheitsverläufe? Studien oder dergleichen?
Falls irgendwann einmal Mesalazin oder Kortison nicht mehr ausreichen würde, wäre Azatioprin oder Infliximab für mich überhaupt eine Therapieoption?
Danke für eine Antwort.
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrter Herr B. !
Ich würde zunächst zu einer Überprüfung der Diagnose CU raten. Eine CMV-Kolitis sollte hier ganz sicher ausgeschlossen sein !
Eine Therapie mit Azathioprin ist - falls erforderlich - prinzipiell möglich und kann bei gutem Immunstatus und sorgfältiger Nutzen-Risikoabwägung und engmaschiger ärztlicher Mitbetreuung durchaus durchgeführt werden. Hierbei sollte insbesondere auch auf das Auftreten von opportunistischen Infektionen geachtet werden.
Eine Therapie mit Infliximab kommt für Sie nicht in Frage.
Mit freundlichem Gruß.
Dr. Jan-Michel Otte
Patientenfrage:
Meine Lebensgefährtin leidet unter MC,
Wie verhallte ich mich ihr gegenüber wenn sie wieder so einen Schub bekommt um Stress zu vermeiden,möchte nur helfen und es ist wohl falsch, oder?????
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrter Herr K. !
Helfen zu wollen ist nie falsch ! Nur, wie dies im einzelnen aussieht, ist individuell sehr unterschiedlich. Ihre Lebensgefährtin wird Ihnen mitteilen, was Sie möchte - und das kann einfach nur Ruhe sein ... .
Verhalten Sie sich ihr gegenüber möglichst natürlich und geben ihr nicht das Gefühl krank oder anders zu sein !
Mit freundlichem Gruß.
Dr. Jan-Michel Otte
Patientenfrage:
Liebe Experten,
bei meinem Sohn wurde vor 1 Jahr CU festgestellt. Angefangen mit einem starken Schub und langem KH Aufenthalt.
Seit dem hat er ständig Durchfälle, egal was für Medikamente er einnimmt, was er isst oder nicht isst.
Bei der letzten Kolo-Untersuchung wurde Haustrennverlust festgestellt.
Kann sich der Darm irgendwann wieder regenerieren so dass er die Funktion der Stuhleindickung wieder erfüllen kann?
Vielen Dank im Voraus
Antwort unseres Experten:
Ja, der Darm kann sich regenerieren, so dass die Erkrankung keine Beschwerden verursacht und der Stuhl eingedickt wird - diesen Zustand nennt man dann Remission. Eine solche Remission hat Ihr Sohn offensichtlich und bedauerlicherweise nie erreicht. Es sollte eine Therapieanpassung vorgenommen werden ! Alleine durch die Umstellung der Ernährung werden Sie nicht zum Ziel kommen.
Mit freundlichem Gruß.
Dr. Jan-Michel Otte
Patientenfrage:
Hallo,
vor kurzem wurde bei mir CU diagnostiziert. Nach einem relativ schweren Schub bin ich jetzt mit Medikamenten (Claversal Micropellets) so gut wie beschwerdefrei.
Nun fliege ich im Nov. in den Urlaub nach Fuerteventura... Ich kenne die Insel bereits und denke, dass ich dort keine gesundheitlichen Probleme zu erwarten habe. Ein kleines bißchen "Rest-Angst" bleibt jedoch. Gibt es irgendwelche grundlegenden Dinge, die ich im Ausland beachten muss bzw. auf die ich mich vorbereiten / mitnehmen sollte?
Viele Grüße, J.S.
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrte Frau S. !
Es freut mich, dass es Ihnen wieder gut geht. Der Urlaub in "vertrauter" Umgebung wird Ihnen gut tun; es gibt keinerlei Einwände, diese Reise anzutreten. Sie sollten während der Reise allgemeine Vorsicht walten lassen, d.h. kein Wasser aus der Leitung trinken, keine ungewaschenen oder rohen Speisen zu sich nehmen. Auch eine regelmäßige Händehygiene ist ratsam. Mit Ihrem Arzt könnten Sie die Mitnahme einer Notfallmedikation (z.B. in Form eines Steroidpräparates) für den Fall eines neuen Schube diskutieren.
Gute Erholung wünscht,
Dr. Jan-Michel Otte
Patientenfrage:
Hallo!
Bei mir wurde Morbus Chron am Übergang vom Dünn zum Dickdarm festgestellt als ich sechs Jahre alt war. Seitdem verlief die Krankheit relativ ruhig und ich hatte bis auf drei Darmspiegelungen nie Krankenhausbedarf.
Jetzt bin ich 22 Jahre alt und vor einem Jahr hatte ich nach vier medikamentfreien Jahren meinen ersten bewussten Schub. Seitdem nehme ich nun wieder Azulfidine und nach einem Monat hatte sich auch alles wieder beruhigt. Das war vor zirka einem Jahr.
Seit einer Woche geht es mir wieder schlecht, ich habe Bauchweh und Durchfall und verstehe nicht wodurch die Schübe ausgelöst werden. Ich finde es schlimm, dass ich selbst so wenig Einfluss auf den Krankheitsverlauf habe. Kann ich irgendwas an meinem Lebensstil ändern um den Schub schnell zu überwinden?
Vielen Dank für ihre Antwort!
Liebe Grüße
S.
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrte Frau H. !
Bedauerlicherweise ist der Krankheitsverlauf beim Morbus Crohn nicht vorhersehbar und deshalb für Sie auch nicht wirklich zu beeinflussen. Sollten Sie rauchen, wäre dies das erste, was Sie ändern könnten und müssten. Meiden Sie Speisen, die Sie nicht vertragen. Psychotherapeutische Unterstützung zur Krankheits- und Stressbewältigung können sich ebenfalls positiv auswirken.
Im Übrigen rate ich zur Anpassung Ihrer Medikation (z.B. Umstellung auf Budenosid), ggf. auch Intensivierung der Therapie. Auch eine remissionserhaltende Therapie sollte diskutiert werden.
Mit freundlichem Gruß.
Dr. Jan-Michel Otte
Patientenfrage:
Hallo und einen schönen Tag,
ich bin 37 Jahre und im Jahr 2001 wurde Morbus Crohn festgestellt.
Ich befinde mich seit dieser Zeit in sehr guter Behandlung.
In dieser Zeit hatte ich nur 2 starke Schübe gehabt.
Trotzdem habe ich folgende Frage:
Da diese Krankheit jederzeit und unverhofft auftreten kann, habe ich bei einem längeren Arbeitsausfall angst um meinen Arbeitsplatz.
Bekomme ich aufgrund meiner Krankheit einen Behindertenausweis, damit ich nicht so leicht kündbar bin??
Vilen Dank für Ihre Bemühungen
Mit freundlichen Gruß
T. S.
Antwort unseres Experten:
Ob Sie einen Schwerbehindertenausweis erhalten, muss das zuständige Versorgungsamt prüfen. In der Regel wird eine CED mit einem GdB um 30 - 40 % gewertet, bei geringer Aktivität auch weniger, bei ausgeprägtem Morbus Crohn beispielsweise auch mehr. Weitere Informationen von Betroffenen finden Sie auch auf der Homepage der DCCV.
Mit freundlichem Gruß.
Dr. Jan-Michel Otte
Patientenfrage:
Hallo Die Herren,
mir wurde mal erzählt, dass man durch einen Allergietest feststellen kann, ob man auf irgendwelche Sachen im Essen reagiert und diese das Morbis Chron auslösen. Ist es sinnvoll mal bei der Krankenkasse anzufragen, ob diese die Kosten übernehmen?
Viele Grüße.
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrte Frau K.,
zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es kein Lebensmittel oder - bestandteil, dass den M. Crohn auslöst. Jeder, der solche Behauptungen aufstellt und damit Geld von Patienten für teure Diagnostik fordert, ist ein Scharlatan.
Generell gibt es beim M. Crohn in einer Ruhephase keine Diätempfehlung!!! Sie können essen, was Ihnen schmeckt und bekommt, in jedem Fall sollten Sie kein Gewicht abnehmen. Am besten Sie probieren es mal mit einem Ernährungstagebuch und dem Aufschreiben von Beschwewrden nach den jeweiligen Mahlzeiten. Falls Milchprodukte darunter sind, sollten Sie an eine Laktoseintoleranz denken, das ist beim M. Crohn häufig.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. C. Büning
Patientenfrage:
Guten Morgen,
mein Mann hat CU seit ca. 15 Jahren, hat bis vor 5 Jahren Salufalk genommen, was ihm aber nicht geholfen hat, mit Akupunktur ging es ihm besser, jedoch verbringt er morgens 1 Stunde auf der Toilette und teilweise schafft er seine Fahrt ins Büro nicht ohne Unterbrechung ( eine Autofahrt von ca 15 Minuten). Er hat das Problem nur morgens und es ist auch im Urlaub ein Problem, da wir Stunden brauchen um den Tag zu starten und immer wieder muss er zurück. Meine Frage, gibt es Alternativmethoden wie homöopathische Mittel oder eine spezielle Ernährung ? Ich koche sehr leicht, mediterran, wenig Kohlenhydrate, viel Gemüse.
Ich würde mich über eine Antwort freuen.
Beste Grüße I. F.
Antwort unseres Experten:
Sehr geehrter Frau F. !
Eine "therapeutische" Diät gibt es nicht, wohl aber schlecht verträgliche Nahrungsmittel, die Sie jedoch bereits wegzulassen scheinen. Sicher gibt es auch homöopathische Mittel. Deren Nutzen ist jedoch schlecht, mögliche Nebenwirkungen oder Interaktionen mit anderen Medikamenten häufig gar nicht charakterisiert !
Ich würde Ihrem Mann daher zunächst zu einer Darmspiegelung raten. Orientierend am Ausbreitungsmuster und der Intensität der Entzüdung sollte dann eine pharmakologische Therapie initiiert werden. Hierzu stehen eine Vielzahl von Präparaten mit unterschiedlicher Applikationsform zur Verfügung. Bei guter bis sehr guter Effektivität sind die potentiellen Nebenwirkungen dieser Präparate eher als gering einzustufen.
Es gilt in erster Linie die Lebensqualität Ihres Mannes und damit auch für sie als Familie wieder herzustellen !
Mit freundlichem Gruß.
Dr. Jan-Michel Otte


