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Psoriasis: Was passiert in der Haut?

Um die Vorgänge bei der Psoriasis besser verstehen zu können, werden der Aufbau der Haut und ihre Funktionen sowie das Immunsystem kurz vorgestellt.

Die Haut - ein faszinierendes Organ

Mit 2 m2 umhüllt die Haut den Körper eines Erwachsenen. Ihre Aufgaben sind ebenso vielfältig wie verantwortungsvoll. So dient die Haut beispielsweise als Schutzschild gegen äußere Einflüsse: Das Eindringen von Mikroorganismen wird verhindert; die Bildung des körpereigenen Farbstoffs Melanin gilt als innere Sonnenbrille gegen Sonnenstrahlen. Mechanischen Reizen setzt sie sich mit einer hohen Zugfestigkeit und gleichzeitig ausreichender Dehnbarkeit (Elastizität) zur Wehr. Gleichzeitig ist die Haut ein vielseitiges Sinnesorgan, mit dem die Umwelt "erfühlt" und "ertastet" wird.

Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, ist sie von außen nach innen aus 3 Schichten aufgebaut:

  • die Oberhaut (Epidermis)
  • die Lederhaut (Korium, Dermis)
  • die Unterhaut (Subkutis)

In der dünnen Oberhaut findet die Hauterneuerung statt. Spezielle Zellen, die Keratinozyten, sind dafür zuständig. Durch Zellteilung werden immer neue Tochterzellen gebildet, die im Prinzip eine Fahrkarte ohne Rückfahrschein buchen: Sie entwickeln sich, produzieren die wasserabweisende Hornsubstanz Keratin und reisen in Richtung Hautoberfläche. Dort angelangt dienen sie für kurze Zeit als Schutzschild, bis sie schließlich als winzige Hautschuppen abgestoßen werden. Neue Zellen rücken nach, so dass die Haut ständig erneuert wird. Etwa 1 Monat wird für diesen Prozess benötigt. Bei der Psoriasis ist die Neubildungsrate der Zellen bis um das 8-fache erhöht, wodurch die Oberhaut dicker ist als im normalen Zustand. Die in großen Mengen gebildeten Zellen lösen ebenfalls einen Fahrschein – bildlich übertragen wird jedoch nicht die sonst übliche Regionalbahn als Transportmittel gewählt, sondern der Transrapid bevorzugt. Das heißt, die Zellen haben nicht genügend Zeit für ihre Reifung und erreichen die Hautoberfläche bereits nach wenigen Tagen. Daraus entwickelt sich das erste Leitsymptom der Psoriasis: Es kommt zur massiven Ansammlung unreifer Hautzellen, die als Schuppen sichtbar werden.

Schematische Darstellung der Haut: links in normalen Zustand, rechts bei Psoriasis-Patienten
Schematische Darstellung der Haut: links in normalen Zustand, rechts bei Psoriasis-Patienten

Die unter der Oberhaut befindliche Lederhaut stellt das Versorgungsnetzwerk der Haut dar. Hier befinden sich viele Blut- und Lymphgefäße sowie Nervenfasern. Spezielle Drüsen in der Lederhaut produzieren den Talg, eine fetthaltige Emulsion zum Schutz der Haut. Schweiß wird ebenfalls in der Lederhaut gebildet und nach außen transportiert. Das Sekret dient der Temperaturregelung des Körpers (Verdunstungskälte) und als Säureschutzmantel gegen Bakterien und Pilze.

Ein Netz aus straffen und elastischen Fasern verleiht der Haut die notwendige Kombination aus Festigkeit und Dehnbarkeit. Die Lederhaut ist der Ort des Geschehens für das zweite Leitsymptom der Psoriasis: Die Rötung der betroffenen Hautareale ergibt sich durch kleine Blutgefäße, die weitgestellt werden. Dadurch gelangen vermehrt Zellen des Immunsystems und Flüssigkeit in das Gewebe. Die Flüssigkeitsansammlung führt zur Schwellung der Haut.

Die Unterhaut besteht in erster Linie aus Fettgewebe. Diese Schicht dient der Wärmeisolierung und stellt die Verbindung zu den darunter liegenden Strukturen (Muskulatur, Sehnen, Knochen) her.

Das Immunsystem – eine schlagkräftige Abwehr

Unser Körper ist einem ständigen Angriff von außen ausgesetzt. Keime, Bakterien und Giftstoffe können eingeatmet werden oder über die Haut sowie durch den Magen-Darm-Trakt in den Körper gelangen. Hier gilt es, durch ein ausgeklügeltes System das Gute (Nährstoffe, Darmflora) vom Schlechten (Keime und Giftstoffe) zu trennen und Feinde effektiv abzuwehren.

Um die Verteidigung sicherzustellen, besitzt der menschliche Körper eine komplexe und schlagkräftige Abwehr – unser Immunsystem. Hauptdarsteller dieses faszinierenden Systems sind die weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Sie arbeiten in verschiedenen Verteidigungslinien und kommunizieren miteinander über Botenstoffe (Zytokine).

In der Oberhaut, dem Außenposten des Körpers, patrouillieren die so genannten Langerhans-Zellen. Sobald sie körperfremde Stoffe identifizieren, nehmen sie diese auf und bauen sie im Zellinneren ab. Deswegen bezeichnet man die Langerhans-Zellen auch als Fresszellen. Sie wandern zu einem nahe gelegenen Lymphknoten und präsentieren dort T-Zellen Bruchstücke der aufgenommenen Fremdstoffe. Schließlich entscheiden die T-Zellen, ob weitere Abwehrmaßnahmen notwendig sind. Sie wandern mithilfe von bestimmten Wegweisern zum Ort des Geschehens und fordern gegebenenfalls Verstärkung an.

Die Kommunikation innerhalb des Immunsystems erfolgt über Botenstoffe (Zytokine). Insbesondere über die Botenstoffe Tumornekrosefaktor alpha (TNFα), Interferon-gamma und verschiedene Interleukine wird die Abwehrreaktion intensiviert. Man bezeichnet sie daher auch als entzündungsfördernde Zytokine.

Andere Botenstoffe sorgen dafür, dass nach der erfolgreichen Abwehr wieder Ruhe und Ordnung hergestellt wird. Die Entzündung wird gebremst und klingt ab. Die verantwortlichen Botenstoffe werden entzündungshemmende Zytokine genannt.

Die hohe Kunst der Verteidigung liegt in der Koordination des Immunsystems:

  • Einschätzung der Lage und Unterscheidung zwischen "fremd" und "eigen" - Meins oder nicht Meins?
  • Koordination und Durchführung der Maßnahmen in angemessener Stärke - Einzelabwehr oder Verteidigung im Verbund?
  • Wiederherstellung des Normalzustandes nach Zielerreichung.

Bei der Psoriasis funktioniert das Management des Immunsystems nicht korrekt - aus bisher ungeklärter Ursache sind das Gleichgewicht und die Angemessenheit des Immunsystems aus den Fugen geraten:

Vermutlich präsentieren die Langerhans-Zellen fälschlicherweise eine körpereigene Struktur als Fremdstoff; möglicherweise wird also ein Schaf im Wolfspelz dargestellt. Die T-Zellen wandern daraufhin in die obersten Hautschichten, greifen selbst aktiv in das Geschehen ein und bilden entzündungsfördernde Botenstoffe. Diese Botenstoffe können mit Dominosteinen verglichen werden, die – einmal angestoßen – alle folgenden Steine im Rahmen der Kettenreaktion einer Entzündung nacheinander umfallen lassen. Damit weitere Immunzellen in großer Anzahl aus dem Blut zum Ort des Geschehens kommen, werden die Blutgefäße der Lederhaut weit gestellt. Die betroffene Hautregion wird rot und schwillt an. Keratinozyten der Oberhaut werden zur vermehrten Teilung angeregt – die typische Schuppung entsteht. Auch Langerhans-Zellen werden in ihrer Aktivität unterstützt, so dass die Präsentation der vermeintlich fremden Struktur verstärkt wird.

Wie in einem Teufelskreis regen die Botenstoffe ihre eigene Nachproduktion an, womit die Entzündung in Gang gehalten und intensiviert wird - die Entzündung wird chronisch. Bei Patienten mit Psoriasis konnte z. B. TNFα in großen Mengen in psoriatischen Hautregionen nachgewiesen werden. Dies belegt, dass dieser Botenstoff in unmittelbarer Umgebung des Krankheitsgeschehens aktiv ist.

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