Psoriasis Arthritis: Was passiert in der Haut und im Gelenk?
Das Immunsystem - eine schlagkräftige Abwehr
Der Körper ist einem ständigen Angriff von außen ausgesetzt. Keime, Bakterien und Giftstoffe können eingeatmet werden oder über die Haut sowie durch den Magen-Darm-Trakt in den Körper gelangen. Hier gilt es, durch ein ausgeklügeltes System das Gute (Nährstoffe, Darmflora) vom Schlechten (Keime und Giftstoffe) zu unterscheiden, Körpereigenes zu tolerieren und Körperfremdes im Rahmen der Entzündungsreaktionen effektiv abzuwehren.
Als Schutz besitzt der menschliche Körper eine komplexe und schlagkräftige Abwehr - das Immunsystem.
Die Abwehrmechanismen gleichen einem Mosaik, das unter anderem aus körpereigenen Zellen und so genannten Zytokinen besteht. Über diese Botenstoffe (Zytokine) können Signale weitergegeben werden, so dass der Entzündungsprozess gestartet, unterhalten und kontrolliert werden kann.
Insbesondere über die Botenstoffe Tumornekrosefaktor alpha (TNFα), Interferon-gamma und verschiedene Interleukine wird die Abwehrreaktion intensiviert. Man bezeichnet sie daher auch als entzündungsfördernde Zytokine.
Andere Botenstoffe sorgen dafür, dass nach erfolgreicher Abwehr wieder der Normalzustand hergestellt wird. Die Entzündung wird gebremst und klingt ab. Die verantwortlichen Botenstoffe werden entzündungshemmende Zytokine genannt.
Bei der Psoriasis Arthritis funktioniert dieses normale Vorgehen der körpereigenen Abwehr nicht - aus bisher ungeklärter Ursache unterscheidet die Abwehr nicht mehr richtig zwischen "fremd" und "eigen". Entzündungs-, Heilungs- und Toleranzprozesse befinden sich in einem Ungleichgewicht. Immunzellen wandern vermehrt aus dem Blut an den Ort des Geschehens und bilden entzündungsfördernde Botenstoffe. So konnte z. B. TNFα in großen Mengen in psoriatischen Hautregionen und in betroffenen Gelenken nachgewiesen werden. Dies belegt, dass dieser Botenstoff in unmittelbarer Umgebung des Krankheitsgeschehens aktiv ist. Wie in einem Teufelskreis regen die Botenstoffe ihre eigene Nachproduktion an, womit die Entzündung in Gang gehalten und intensiviert wird - die Entzündung wird chronisch. Was bedeutet das nun für die betroffene Hautregion und die Gelenke?
Die Haut - ein faszinierendes Organ
Mit 2 m2 umhüllt die Haut den Körper eines Erwachsenen. Ihre Aufgaben sind ebenso vielfältig wie verantwortungsvoll. So dient die Haut beispielsweise als Schutzschild gegen äußere Einflüsse: Das Eindringen von Mikroorganismen wird verhindert; die Bildung des körpereigenen Farbstoffs Melanin gilt als innerer Schutz gegen Sonnenstrahlen. Mechanischen Reizen setzt sie sich mit einer hohen Zugfestigkeit und gleichzeitig ausreichender Dehnbarkeit (Elastizität) zur Wehr. Gleichzeitig ist die Haut ein vielseitiges Sinnesorgan, mit dem die Umwelt "erfühlt" und "ertastet" wird.
Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, ist sie von außen nach innen aus 3 Schichten aufgebaut:
- die Oberhaut (Epidermis)
- die Lederhaut (Korium, Dermis)
- die Unterhaut (Subkutis)
In der dünnen Oberhaut findet die Hauterneuerung statt. Spezielle Zellen, die Keratinozyten, sind dafür zuständig. Durch Zellteilung werden immer neue Tochterzellen gebildet, die die wasserabweisende Hornsubstanz Keratin produzieren und in Richtung Hautoberfläche wandern. Dort angelangt dienen sie für kurze Zeit als Schutzschild, bis sie schließlich als winzige Hautschuppen abgestoßen werden. Neue Zellen rücken nach, so dass die Haut ständig erneuert wird. Etwa 1 Monat wird für diesen Prozess benötigt. Bei der Psoriasis Arthritis mit Hautveränderungen ist die Neubildungsrate der Zellen bis um das 8-fache erhöht, wodurch die Oberhaut dicker als im normalen Zustand ist. Die in großen Mengen gebildeten Zellen haben jedoch nicht genügend Zeit für ihre Reifung und erreichen die Hautoberfläche bereits nach wenigen Tagen. Daraus entwickelt sich das erste Leitsymptom der psoriatischen Hautveränderungen: Es kommt zur massiven Ansammlung unreifer Hautzellen, die als Schuppen sichtbar werden.
Schematische Darstellung der Haut: links in normalen Zustand, rechts bei Psoriasis Arthritis-Patienten mit Hautsymptomatik
Die unter der Oberhaut befindliche Lederhaut stellt das Versorgungsnetzwerk der Haut dar. Hier befinden sich viele Blut- und Lymphgefäße sowie Nervenfasern. Spezielle Drüsen in der Lederhaut produzieren den Talg, eine fetthaltige Emulsion zum Schutz der Haut. Schweiß wird ebenfalls in der Lederhaut gebildet und nach außen transportiert. Das Sekret dient der Temperaturregelung des Körpers (Verdunstungskälte) und als Säureschutzmantel gegen Bakterien und Pilze. Ein Netz aus straffen und elastischen Fasern verleiht der Haut die notwendige Kombination aus Festigkeit und Dehnbarkeit. Die Lederhaut ist der Ort des Geschehens für das zweite Leitsymptom der Hautveränderungen: Die Rötung der betroffenen Hautareale ergibt sich durch kleine Blutgefäße, die durch die Entzündungsreaktion weitgestellt werden. Dadurch gelangen vermehrt Zellen des Immunsystems und Flüssigkeit in das Gewebe. Die Flüssigkeitsansammlung führt zur Schwellung der Haut.
Die Unterhaut besteht in erster Linie aus Fettgewebe. Diese Schicht dient der Wärmeisolierung und stellt die Verbindung zu den darunter liegenden Strukturen (Muskulatur, Sehnen, Knochen) her.Das Gelenk - Garant für Bewegung
Das menschliche Skelett besteht aus über 200 Knochen, die das Grundgerüst des Körpers darstellen und über Gelenke miteinander verbunden sind. Viele Gelenke garantieren uns Beweglichkeit und sind für diese Aufgabe wie folgt geschaffen: Die Knochen sind durch einen Spalt voneinander getrennt. In diesem Spalt befindet sich eine Flüssigkeit, die Synovia, die von der Gelenkinnenhaut ("Synovialis") produziert wird und das Gelenk mit Nährstoffen versorgt und wie Öl in einem Scharnier das Gelenk "schmiert". Um die Reibung durch Bewegung zusätzlich zu vermindern und um die Gelenke vor Abnutzung zu schützen, sind die Knochen an ihren Enden mit glattem Knorpelgewebe überzogen. Die Gelenkkapsel umgibt das gesamte Gelenk, und die Stabilität wird durch Bänder vervollständigt. Sehnen verbinden die Knochen mit der Muskulatur.
Durch die Entzündungsreaktionen kommt es an den Gelenken zur vermehrten Durchblutung und Hautrötung. Die Gelenke sind oft überwärmt und schmerzhaft geschwollen, denn die entzündete Gelenkinnenhaut sondert übermäßig viel Synovia ab und es entsteht ein Erguss. Heilt eine akute Entzündung ab, so hinterlässt sie in der Regel keine Spuren. Kommt der Prozess bei einer chronischen Entzündung jedoch nicht zum Stillstand, ist die Wiederherstellung des Gewebes kaum möglich. Stattdessen bildet sich vermehrt Bindegewebe, ähnlich überschießendem Narbengewebe, das als Pannus bezeichnet wird. Dieses Bindegewebe überzieht zunächst die Gelenkflächen und kann später in Knorpel und Knochen hineinwachsen. Die Gelenkstruktur kann dadurch zerstört werden, eine Verschmälerung des Gelenkspaltes ist ebenfalls nachweisbar.
Neben Substanzzerstörenden Vorgängen kann bei Psoriasis Arthritis gleichzeitig auch ein Knochenanbau beobachtet werden, der zu nicht regelhaften Knochenvorsprüngen führt. Auch dies kann zu einer beeinträchtigten Funktion des betroffenen Gelenks führen.

