Morbus Crohn: Kann man den Krankheitsverlauf vorhersagen?

Die Antwort ist einfach und heißt: Nein, leider nicht.

Morbus Crohn ist eine chronische Erkrankung und kann sich während des Krankheitsverlaufes auch ändern. Meistens jedoch bleibt der Morbus Crohn an der ursprünglichen Lokalisation bestehen. Das heißt, ein Patient, der primär einen Befall am terminalen Ileum hat, wird beim nächsten Schub auch vermutlich wieder dort den Morbus Crohn bekommen. Ein Patient, der vorwiegend einen Befall des Endes des Dickdarmes hat, wird dort wieder seine Symptome bekommen. Einige Patienten haben nur einen Schub in ihrem Leben und andere haben zunächst wenige Probleme und bekommen in den nächsten Jahren stärkere und längere Schübe. Grob kann man aber sagen, dass die Krankheitsaktivität individuell relativ konstant bleibt. Das heißt, ein Patient, der zu Anfang nur wenig Entzündungsaktivität hat, wird überwiegend nicht beim nächsten Schub eine sehr starke Aktivität des Morbus Crohn entwickeln. Wenn eine Steigerung der Krankheitsaktivität erfolgt, so geschieht dieses meist über einen längeren Zeitraum.

Es gibt aber unterschiedliche "Arten" des Morbus Crohn.

Diese sind in der "Wiener Klassifikation" zusammengefasst und beinhalten den "entzündlichen" Typ (nicht stenosierend oder penetrierend), den "stenosierenden" Typ und den "penetrierenden" Typ.

Natürlich gibt es dabei auch Überschneidungen aber als grobe Einteilung ist diese Klassifikation ganz nützlich.

Der "entzündliche" Typ hat keine Komplikationen, wie z.B. Stenosen oder Fisteln. Er zeichnet sich überwiegend durch viele Durchfälle, manchmal auch Fieber und extraintestinale Manifestationen (vergleiche Einfluss auf andere Organe) und durch erhöhte Entzündungswerte im Blut (CRP, Blutsenkungsgeschwindigkeit, weiße Blutkörperchen) aus.

Der "stenosierende" Typ entwickelt als Komplikation der Entzündung Verengungen des Darms. Diese können entzündlich oder narbig sein. Die entzündlichen Stenosen können medikamentös meist gut behandelt werden, die narbigen müssen in den meisten Fällen operiert werden. Man sollte bedenken, dass eine Operation zwar nicht so "schonend" wie eine Tabletteneinnahme ist, dafür aber NACH dem Eingriff ein normales Lebensgefühl zurückgibt und man dann auf ein Mal keinerlei Schmerzen mehr hat.

Der "penetrierende" Typ ist der ungünstigste und betrifft meistens Patienten, die die Erkrankung schon lange Zeit haben. Diese Patienten haben Fisteln, sei es perianal (neben dem Darmausgang) oder in dem Bauchraum (Fisteln können von Darmabschnitt zu Darmabschnitt oder auch von Darmabschnitt zur äußeren Haut reichen). Auch so genannte "Konglomerattumore" gehören in diese Kategorie. Bei dieser Art von "Tumor" (lateinisch "Tumor" = Schwellung) ist kein Krebs gemeint, es handelt sich um mehrere "verklebte" Darmschlingen, die dann insgesamt eine Masse bilden, die man sowohl im Röntgen nachweisen, als auch bei der körperlichen Untersuchung tasten kann.