Morbus Crohn:
Einfluss auf andere Organe

Bei Morbus Crohn können bei etwa der Hälfte der Betroffenen auch Veränderungen außerhalb des Verdauungstraktes auftreten, die zu zusätzlichen Beschwerden führen. Die folgenden Darstellungen sollen Sie nicht verunsichern – im Gegenteil, sie dienen Ihrer persönlichen Aufklärung und geben Ihnen Sicherheit im Umgang mit der Erkrankung. Solange Sie wissen, dass diese Veränderungen auch zu dem Erscheinungsbild Morbus Crohn zählen und Sie bei Auftreten der Beschwerden Ihren behandelnden Arzt darüber informieren, kann die richtige Diagnose gestellt und vor allem eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden.

Zu diesen extraintestinalen (= außerhalb des Verdauungstraktes liegenden) Veränderungen gehören Gelenk- und Knochenbeschwerden, Hauterscheinungen, Entzündungen der Augen sowie Erscheinungen an der Leber und Galleblase.

Gelenkbeschwerden

Zu den Gelenkbeschwerden zählen Gelenkschmerzen (Arthralgien) und Gelenkentzündungen (Arthritiden), die sich überwiegend durch Schmerzen und weniger durch Schwellungen darstellen. Die Gelenkentzündungen der peripheren Gelenke werden in 2 Gruppen unterteilt:

Typ 1: Meist asymmetrische Beteiligung von weniger als 5 Gelenken (häufig Knie und Knöchel). Die Gelenkbeschwerden stehen mit der Krankheitsaktivität des Morbus Crohn im Zusammenhang, das heißt sie treten häufig zeitgleich mit einem Schub auf.

Typ 2: Meist symmetrische Beteiligung von fünf oder mehr Gelenken (häufig Gelenke die Finger und Handrücken verbinden). Die Beschwerden sind meist lang anhaltend und von der entzündlichen Aktivität des Morbus Crohn unabhängig.

Auch die Entzündung der Kreuzdarmbeingelenke (Verbindung zwischen Wirbelsäule und Becken) kann bei ca. 6% der Patienten zu Beschwerden führen, die sich vor allem durch tiefsitzenden Rückenschmerz äußern. Dieser Rückenschmerz ist mit einer Morgensteifigkeit verbunden, die sich bei Bewegung bessert.

Die Gelenkbeschwerden können vor oder nach der Diagnose der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung auftreten.

Man nimmt an, dass 25-30% der Betroffenen an Gelenkbeschwerden leiden.

Bild eines menschlichen Oberkörpers
Gelenkbeschwerden: z.B. Sacroiliitis = Entzündung der Kreuzdarmbeingelenke (Röntgenaufnahme). Es können aber auch Enzündungen der Gelenke an Armen und Beinen sowie der Wirbelsäule auftreten.

Osteoporose

Ein Knochen ist hart wie ein Stein. Man mag es kaum glauben, aber er besteht dennoch aus lebendem Gewebe, das auf-, ab- und umgebaut wird.

Ab dem 35. Lebensjahr ist dieser Prozess nicht mehr im Gleichgewicht:

Der Abbau überwiegt den Aufbau mit der Konsequenz, dass die Knochendichte im Laufe der Jahre langsam abnimmt und der Knochen an Stabilität und Elastizität verliert. Bis zu einem gewissen Grad ist das ein normaler Alterungsprozess.

Wenn der Knochenabbau allerdings stark zunimmt, spricht man von Osteoporose, was mit "porösen Knochen" übersetzt werden kann. Man unterscheidet grundsätzlich die primäre von der sekundären Osteoporose. Für die primäre Osteoporose ist keine direkte Ursache auszumachen und sie steht in engem Zusammenhang mit dem Alter, Hormon- und Calciumstoffwechsel. Die sekundäre Osteoporose entsteht aufgrund anderer Erkrankungen (z.B. Morbus Crohn) oder durch den Einsatz bestimmter Medikamente (z.B. Glukokortikoide).

Zu den Symptomen gehören unter anderem Knochenschmerzen - insbesondere im Rücken –, Fehlhaltungen und eine gesteigerte Neigung zu Brüchen ohne erkennbare Ursache (Spontanfraktur).

Eine verminderte Knochendichte in jungen Jahren (Frauen mit etwa 20 Jahren und Männer mit etwa 30 Jahren) ist bei Morbus Crohn Patienten keine Seltenheit. Als Ursachen kommen mehrere Faktoren in Betracht:

  • Morbus Crohn kann durch eine eingeschränkte Nährstoffaufnahme im Darm zu Mangelzuständen führen. Dem zufolge wird Calcium und / oder Vitamin D dem Körper nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt. Beide Stoffe spielen jedoch eine wichtige Rolle beim Aufbau der Knochen.
  • Bei Morbus Crohn kommt es zu einem Ungleichgewicht körpereigener Stoffe des Immunsystems (vergleiche Was passiert im Darm). Dieses Ungleichgewicht wird als mögliche Ursache der verminderten Knochendichte diskutiert.
  • Ein wichtiger Grund ist die Therapie mit Steroiden, die zu erheblicher Osteoporose führen kann.
  • Eine erbliche Veranlagung wird ebenfalls als Ursache der Osteoporose bei Morbus Crohn diskutiert.

Regelmäßige Knochendichtemessungen sollten alle 2 bis 3 Jahre in Erwägung gezogen werden, um gezielt auf mögliche Störungen des Knochenstoffwechsels reagieren zu können und eventuellen Knochenbrüchen vorzubeugen. Leider wird diese Untersuchung von den gesetzlichen Krankenkassen erst dann übernommen, wenn bereits eine Osteoporose vorliegt. Die Untersuchung kostet circa 20-40 Euro.

Eine abwechslungsreiche Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung und der Verzicht auf Nikotin sind Möglichkeiten, mit denen Sie selbst Ihren Knochen helfen können. Besteht das Risiko einer Osteoporose, wird die Einnahme von Calcium und Vitamin D empfohlen, insbesondere als begleitende Therapie bei der Behandlung mit Glukokortikoiden. Liegt bereits eine Osteoporose vor, werden zusätzlich Bisphosphonate und/oder Natriumfluorid empfohlen.

Mehr zu Osteoporose erfahren Sie auf www.osteoporose.de.

Hauterscheinungen

Die Hauterscheinungen haben etwas komplizierte Namen: Pyoderma gangraenosum und Erythema nodosum. Etwa 1,5 % der Patienten mit Morbus Crohn entwickeln ein Erythema nodosum und 0,5 % ein Pyoderma gangraenosum – obwohl die Angaben in der Literatur hierzu sehr schwanken -, zu Erythema nodosum finden sich Werte bis zu 15%.

Bild menschlicher Beine mit Hauterscheinung
Erythema nodosum

Das Erythema nodosum erscheint als überwärmter, rot-lila, bis zu 5 cm großer und schmerzhafter Knoten an den Unterschenkeln, das Pyoderma gangraenosum als geschwürig, schmerzhafte, rote, münz- bis handtellergroße Flecken an Armen und/oder Beinen. Obwohl das Auftreten häufig mit der Aktivität der Darmentzündung einhergeht, kann das Pyoderma gangraenosum auch in beschwerdefreien Phasen und nach einer Kolektomie (chirurgische Entfernung des Dickdarms) auftreten.

Aphthen

Aphthen sind entzündliche Schleimhautveränderungen im Mund und stellen schmerzhafte, bis linsengroße, rundliche, gerötete Herde mit festhaftendem Belag und zentralem Defekt dar. Aphthen können während schwerer Krankheitsschübe als Begleitsymptom des Morbus Crohn auftreten. Sie können aber auch als Zeichen einer Mangelerscheinung durch ungenügende Nahrungsverwertung auftreten, so dass auch dieser Ursache nachgegangen werden sollte.

Bild eines menschlichen Mundes
Aphten

Augenentzündungen

Augenentzündungen, die sich durch Druck- oder Berührungsschmerz, Fremdkörpergefühl, Rötung, Lichtempfindlichkeit, Verringerung der Sehkraft und Kopfschmerzen äußern können, stellen ebenfalls mögliche Begleitsymptome bei schätzungsweise 5 % der Betroffenen dar.

Schematische Darstellung des menschlichen Körpers
Episkleritis = Entzündung des Bindegewebes zwischen Lederhaut und Bindehaut

Bitte erwähnen Sie bei Ihrem Augenarzt, dass Sie an Morbus Crohn leiden, bzw. informieren Sie Ihren behandelnden Arzt über Ihre Augenbeschwerden. Veränderungen der Augen gehen häufig mit den oben erwähnten Haut- und Gelenkbeschwerden einher.

Seltener sind Beteiligungen der Leber, Niere, Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse, die sich durch Müdigkeit, starke Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen äußern können.