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Morbus Crohn:
Die Untersuchungsmethoden

Auf der einen Seite existiert leider kein einzelner Test, der zielsicher zur Diagnose Morbus Crohn führt oder im weiteren Verlauf der Erkrankung immer Auskunft über den aktuellen Status gibt. Auf der anderen Seite braucht man aber auch nicht viele Untersuchungen, um Morbus Crohn zu diagnostizieren oder den Verlauf zu beurteilen. Dennoch ist schätzungsweise bei 10% der Betroffenen die eindeutige Zuordnung der Diagnose erst nach längerem Krankheitsverlauf möglich - sei es weil die Symptome sehr variieren oder für Symptome anderer Erkrankungen gehalten werden können.

Für die Diagnose Morbus Crohn werden Informationen verschiedener Untersuchungsmethoden beurteilt. Die Vorgeschichte und die körperliche Untersuchung stellen die wichtigsten Säulen der Diagnostik dar.

Vorgeschichte

Die genaue Befragung durch den Arzt und die Schilderung der Symptome und die Darstellung früherer bzw. begleitender Krankheiten, Erkrankungen in der Familie, Medikamenteneinnahmen und Ernährungsgewohnheiten sind sehr wichtige Bestandteile der Vorgeschichte.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung reicht es häufig aus, durch gezieltes Befragen die Schwere und die Lokalisation der Entzündung festzustellen.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung wird nach tastbaren, verhärteten Darmschlingen und nach möglichen Komplikationen wie Stenosen, Fisteln oder Abszessen gefahndet. Der untersuchende Arzt bekommt einen Eindruck über den Entzündungsgrad des Darms. Des Weiteren gibt die körperliche Untersuchung Auskunft über Veränderungen außerhalb des Verdauungstraktes (Gelenk- und Knochenbeschwerden, Hauterscheinungen, Entzündungen der Augen, Zustand der Leber).

Blutuntersuchung

Bei der Blutuntersuchung sind vor allem der Entzündungsmarker CRP (C-reaktives Protein), die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), die Anzahl der Blutkörperchen (Leukozyten, Erythrozyten), Thrombozyten (Blutplättchen), der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin), Eisenwerte, die Elektrolyte (Calcium, Natrium, Kalium) so wie die Leberwerte (Transaminasen und alkalische Phosphatase) von Interesse.

Die Messung der Vitamine A, D, E, B12, Folsäure und der Spurenelemente Zink und Selen erfolgt in der Regel bei Verdacht auf Mangelzustände.

Die Blutuntersuchungen geben Aufschluss über das Vorliegen einer Entzündung und über mögliche Auswirkungen wie z.B. Blutarmut oder Mangel an Nährstoffen. Bei vielen Patienten, jedoch nicht in allen Fällen, sind die Laborwerte nicht im Normbereich.

Urinuntersuchungen

Als Verlaufskontrolle werden auch Urinuntersuchungen empfohlen, um Veränderungen der Niere feststellen oder ausschließen zu können. Dies reicht in der Regel einmal jährlich aus, da Nierenveränderungen eine sehr seltene Komplikation darstellen.

Stuhluntersuchung

Eine für den Morbus Crohn typische Stuhlveränderung existiert nicht.

Um jedoch eine Infektion als Ursache (z.B. Salmonellen) der Durchfälle und Bauchschmerzen auszuschließen, wird der Stuhl mikrobiologisch untersucht. Auch bei erneuten Schüben sollte diese Untersuchung in Erwägung gezogen werden, insbesondere wenn der Betroffene von einer Fernreise zurückgekehrt ist und möglicherweise zusätzliche "Urlaubsandenken im Darm" mitgebracht hat. Liegt eine Infektion vor, wird diese anders behandelt als ein Schub bei Morbus Crohn. Zusätzlich lässt sich im Stuhl ein sehr sensibler Entzündungsmarker, das Calprotectin, nachweisen. Dies ist aber im Regelfall nicht nötig.

Ultraschalluntersuchung (Sonographie)

Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) ist eine einfache diagnostische Maßnahme ohne Unannehmlichkeiten und ohne Schmerzen für den Patienten. Das einzig Unangenehme ist ein kalter "Glibber", eine Art Gel, auf dem Bauch, der zur besseren Sicht für den Arzt notwendig ist. Die Sonographie sollte immer im Rahmen der ersten Diagnostik, wie auch in der weiteren Betreuung der Betroffenen angewendet werden. Diese Untersuchung gibt Auskunft über mögliche Komplikationen der Erkrankung wie Stenosen, Abszesse oder Fisteln und es können Verdickungen der Darmwand erkannt werden. Da die Sonographie eine einfach durchzuführende, schnelle und für den Patienten wenig belastende Untersuchung ist, kann sie bei Verdacht auf diese Komplikationen immer und sofort durchgeführt werden. Zusätzlich können Veränderungen an anderen Organen wie z.B. Leber, Niere, Gallenblase beurteilt werden. Jedoch ist die Sonographie häufig alleine nicht aussagekräftig genug, so dass weitere Untersuchungen durchgeführt werden.

Röntgenuntersuchung

Anhand der Röntgenuntersuchung des Dünndarms mit Kontrastmittel (Röntgen nach Sellink) lassen sich typische Veränderungen einer länger bestehenden Erkrankung wie Geschwüre, Verengungen, Darmwandverdickungen und Fisteln der betroffenen Darmabschnitte erkennen, welche mit dem Endoskop nicht erreicht werden konnten. Für diese Untersuchung wird Kontrastmittel mit Hilfe eines dünnen Kunststoffschlauchs (Sonde), in den Darm gegeben. Die Sonde wird in der Regel durch die Nase eingeführt, durch Schlucken in den Magen befördert und bis zum Dünndarm vorgeschoben.

Diese Untersuchung muss dann durchgeführt werden, wenn der Verdacht auf eine Verengung im Dünndarm (Stenose) besteht. Durch diese Untersuchung kann geklärt werden, ob die Stenose tatsächlich vorliegt, und wenn ja, ob diese entzündlich oder narbig ist. Dieses hat einen erheblichen Aussagewert: Eine narbige Stenose wird meist operiert, eine entzündliche meist medikamentös behandelt.

Außerdem bietet die Röntgenuntersuchung nach Sellink dem Operateur wertvolle Hinweise vor der Operation mit welcher Technik die Stenose zu operieren ist.

Tomographie

Die Röntgenuntersuchung nach Sellink wird zunehmend durch neuere Untersuchungsmethoden wie die Computer-Tomographie (CT) und die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) ersetzt. CT und MRT ermöglichen auch die Diagnose früher und geringer Veränderungen an Dünn- und Dickdarm, sowie die Abbildung von Abszessen und Fisteln. Tomographie bedeutet soviel wie Darstellung in Schichten – der zu untersuchende Körperbereich wird dabei optisch in Scheiben von weniger als 1 cm Dicke aufgeteilt. Die Computer-Tomographie arbeitet dabei mit Röntgenstrahlen, die Magnet-Resonanz-Tomographie mit Radiowellen und einem starken Magnetfeld. Kontrastmittel wird in der Regel über eine Armvene hinzugefügt und/oder getrunken. Bei der Magnet-Resonanz-Tomographie, auch als Kernspin bezeichnet, tritt keine Strahlenbelastung auf.

Darmspiegelung

Bei Morbus Crohn sind Spiegelungen für die erste Diagnosestellung und bei Wiederauftreten von Beschwerden gerechtfertigt – jedoch sind Spiegelungen zur Therapiekontrolle nicht erforderlich.

Bei der Darmspiegelung (Ileokoloskopie) führt der Untersucher ein etwa 1 cm dickes, schlauchförmiges Instrument (Endoskop) durch den After ein. Das Endoskop besteht aus einer Lichtquelle und einem optischen System, wodurch Bilder aus dem Darminneren übertragen werden. Die Untersuchung sollte immer den ganzen Dickdarm und das Ende des Dünndarms (terminales Ileum) mit einschließen, um einen Überblick über die betroffenen Abschnitte zu erhalten. Schleimhautverletzungen, Geschwüre (Ulzerationen), Fistelöffnungen, Schwellungen, Rötungen und Pseudopolypen (entzündliche, fingerförmige Schleimhautverdickungen, die keine Krebsvorstufen darstellen) lassen sich hiermit gut erkennen. Während der Betrachtung können Gewebeproben (Biopsien) zur späteren mikroskopischen Untersuchung entnommen werden oder kleinere operative Eingriffe durchgeführt werden. Dies geschieht schmerzfrei, da das Innere des Darms keine Schmerzrezeptoren aufweist.

Die Darmspiegelung kann von einem erfahrenen Untersucher und gegebenenfalls mit Hilfe von Schmerz- oder Schlafmitteln, innerhalb von 10 bis 30 Minuten durchgeführt werden. Zur Vorbereitung sollte der Darm durch abführende Maßnahmen von Nahrungs- und Stuhlresten befreit werden. In der Regel erfolgt dies über eine Spüllösung, die der Betroffene am Vortag oder am Morgen der Untersuchung trinkt.

Bild eines gesunden Darms
Darmspiegelung: gesunde Darmschleimhaut
Bild eines entzündeten Darms
Darmspiegelung: kranke, entzündete Darmschleimhaut

Magenspiegelung

Die Spiegelung der Speiseröhre, des Magens und des Zwölffingerdarms (Oesophago-Gastro-Duodenoskopie) ist bei Oberbauchbeschwerden erforderlich. Zur Vorbereitung sollte der Magen vollständig leer sein – d.h. die Betroffenen dürfen 6 Stunden vorher keine feste Nahrung, und 3 Stunden vorher keine Flüssigkeit mehr zu sich nehmen.

Bei der Spiegelung wird ein Endoskop durch den Mund eingeführt. Die Untersuchung dauert ca. 15 Minuten. Um das Einführen des Endoskops zu erleichtern, kann eine lokale Betäubung des Rachenraums erfolgen (Spray) und ein Beruhigungsmittel verabreicht werden.

Kapselendoskopie

Die Kapselendoskopie ist ein neues Verfahren zur Untersuchung des Verdauungstrakts. Dazu wird eine Mini-Kamera in Form einer Kapsel (Größe 26 x 11 mm) geschluckt. Die Kapsel wandert aufgrund der Darmbewegung durch den Magen-Darm-Trakt, bis sie auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden wird. Während dieser Reise werden Bilder des Verdauungstrakts aufgenommen und auf Detektoren gespeichert. Die Detektoren trägt man während dieser Zeit mit einem Gürtelsystem an seinem Körper. Die Kapselendoskopie stellt eine Ergänzung der bestehenden Verfahren dar und ermöglicht insbesondere die Darstellung von Dünndarmbereichen, die mit dem herkömmlichen Endoskop nicht erreicht werden konnten. Durch den Einsatz dieser Mini-Kamera gibt es erste Hinweise, dass entzündliche Veränderungen im Bereich des Dünndarms häufig übersehen wurden.

Die Entnahme von Gewebeproben und kleinere operative Eingriffe sind jedoch bei dieser Untersuchungsmethode nicht möglich.

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