Morbus Crohn:
Das allgemeine Wohlgefühl
Körper und Seele beeinflussen sich gegenseitig. Das trifft insbesondere auf chronische Erkrankungen zu, bei denen eine komplette Heilung bislang nicht möglich ist.
Schmerzen sind oft ein unerträglicher Begleiter und beeinflussen das Denken und Fühlen, die Konzentrationsfähigkeit und das Leistungsvermögen. Häufige Durchfälle beschränken die Betroffenen in ihrem Alltag und ihrem sozialen Umfeld. Bei der Diagnose Morbus Crohn haben Gefühle der Ohnmacht und Hilflosigkeit ihren großen Auftritt, die Gedanken über die Zukunft nehmen eine neue Dimension an. Der Betroffene wurde nicht während eines Crash-Kurses auf die Diagnose Morbus Crohn vorbereitet und die Erkrankung kann auch nicht von heute auf morgen per Knopfdruck in das tägliche Leben und Empfinden eingebaut werden.
Informieren Sie sich über Morbus Crohn, denn bekanntlich ist Wissen Macht - Macht über sich selbst und über den eigenen Darm! Die psychische Belastung und mögliche Isolation sollten aktiv bekämpft werden. Das Motto sollte sein: "Lieber Staub aufwirbeln, als Staub ansetzen" (H. Burda). Sprechen Sie darüber! Dies ist am Anfang sicherlich nicht leicht und hier spielen Selbsthilfegruppen eine große Rolle. Glücklicherweise muss das Rad nicht neu erfunden und die Welt neu entdeckt werden - Gespräche über die Erfahrungen anderer können den Umgang mit der Erkrankung und die Suche nach Informationen zu Behandlungsmethoden, Adressen spezialisierter Ärzte und Kliniken, Krankenversicherung, Behörden und vielem mehr, erheblich vereinfachen. Auch die Beratung durch einen Psychotherapeuten stellt eine wertvolle Ergänzung dar und sollte nicht durch Aussagen wie "Ich habe Morbus Crohn, aber ich bin doch nicht verrückt" von vorneherein abgelehnt werden – die Konsultation eines Psychotherapeuten bedeutet nicht, dass eine psychische Erkrankung vorliegt, sondern dass man Hilfe bei der Bewältigung des Alltags in Anspruch nimmt.
Sprechen Sie mit Ihrer Familie, Ihrem Partner, Ihren Freunden und möglicherweise auch mit Ihren Kollegen. Je mehr Informationen Ihr persönliches Umfeld hat, desto eher wird Unverständnis und schlimmstenfalls Mitleid in Verständnis und Akzeptanz umgewandelt.
Man sollte sich immer in Erinnerung rufen, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht die Erkrankung. Informieren Sie sich als Betroffener vor allem über Ihre eigenen Bedürfnisse und realisieren Sie Ihr individuelles Wohlfühl-Programm. Reduzieren Sie Stressfaktoren soweit wie möglich, denn Stress kann erneute Krankheitsschübe mit provozieren. Planen Sie ganz bewusst angenehme Dinge in Ihren Alltag ein und nehmen Sie sich die Zeit dafür. Steigern Sie Ihre persönliche Lebensqualität und denken Sie positiv an die Zukunft. Planen Sie beispielsweise den nächsten Urlaub. Wenn Sie Bedenken über das Reiseziel oder die Anreise haben, sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt oder anderen Betroffenen darüber, oder informieren Sie sich z.B. bei dem Dachverband der europäischen Crohn-Colitis Vereinigung EFCCA (siehe wichtige Adressen).
Noch ein Wort zu Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll:
Unmittelbar vor und in einer akuten Phase der Erkrankung mit starken Durchfällen, Bauchschmerzen und möglicherweise Fisteln am After, kann das sexuelle Verlangen (Libido) herabgesetzt sein. Auch kann der Menstruationszyklus während dieser Phase bei Patientinnen gelegentlich gestört sein oder ganz ausbleiben. Sprechen Sie als Betroffener mit Ihrem Partner darüber, so dass Sexualität nicht aus Ihrem Leben ausgeklammert und schlimmstenfalls als Pflichterfüllung angesehen wird.
Besteht ein Kinderwunsch, sollte der Beginn der Schwangerschaft in einer entzündungsarmen Phase geplant werden, da ein akuter Schub die weibliche Fruchtbarkeit und den Verlauf der Schwangerschaft beeinflussen kann. Aber auch bei einer überraschenden und nicht geplanten Schwangerschaft ist dies kein Grund zur Sorge – informieren Sie jedoch schnellstmöglich den behandelnden Arzt und Gynäkologen.
Im Allgemeinen ist die weibliche Fruchtbarkeit, abgesehen von Phasen hoher Krankheitsaktivität und vorausgegangenen ausgedehnten Bauchoperationen, nicht niedriger einzuschätzen als bei Gesunden. Die männliche Fruchtbarkeit kann durch eine medikamentöse Behandlung eingeschränkt sein - nach Absetzen der Medikamente normalisiert sich die Situation wieder.
Für den Verlauf der Schwangerschaft ist es wichtig zu wissen, dass im Allgemeinen eine starke Entzündung des Darms ein größeres Risiko für das Ungeborene darstellt als die weitere Verwendung der meisten Medikamente. Bei Patientinnen, die in der Vergangenheit heftige und schwer therapierbare Schübe erleiden mussten, sollte im Einzelfall über eine Fortführung der Therapie diskutiert werden, um das Risiko für einen erneuten Schub während der Schwangerschaft zu minimieren.
Ist die Familienplanung noch kein Thema, sollte bei der Verhütung die verminderte Funktion des Darms berücksichtigt werden. Die Wirksamkeit der Anti-Baby-Pille kann bei Durchfall stark eingeschränkt sein. Des Weiteren kann das Einlegen einer Spirale bei Patientinnen mit Fistelbildung in der Genitalregion mit Schwierigkeiten verbunden sein. Aber zum Glück kann Mann auch anders verhüten!
Ja, als Raucher hört man es ungern, als rauchender Morbus Crohn - Betroffener sollte man sich die Warnung der Minister wirklich zu Herzen nehmen: Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit! Das Risiko eines erneuten Schubs ist durch das Rauchen erheblich erhöht.
Körperliche Bewegung ist wie bei Gesunden auch für Morbus Crohn - Betroffene ein gesundheitsfördernder Faktor. In einer Phase hoher Krankheitsaktivität oder unmittelbar nach dem Schub sollte die Muskulatur um den Darmbereich jedoch nicht überstrapaziert werden. Fragen zu verschiedenen Sportarten können mit dem behandelnden Arzt oder anderen Betroffenen geklärt werden.
Für das allgemeine Wohlbefinden gilt: Carpe diem – Nutze den Tag!



