Medikamente

Zur medikamentösen Therapie der rheumatoiden Arthritis werden hauptsächlich vier verschiedene Arzneimittelarten verwendet, häufig auch in Kombination:

  • Glukokortikoide
  • Basistherapeutika
  • Biologics
  • Kortisonfreie Entzündungshemmer (nichtsteroidale Antirheumatika)

Bei der medikamentösen Behandlung ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass der Erfolg und das Ausmaß der Therapie kontrolliert, bzw. gegebenenfalls die Therapiemaßnahme verändert wird. Wie bei jeder wirksamen Therapie können potentiell auch unerwünschte Wirkungen auftreten, die es gilt zu erkennen und die Therapie möglicherweise anzupassen oder zu ändern. Bei diesen Punkten ist der behandelnde Arzt auf die Mithilfe der Betroffenen angewiesen, so dass Nebenwirkungen rasch erkannt und beseitigt werden können und die Therapie optimal gestaltet wird.

Glukokortikoid-Präparate

Glukokortikoid-Präparate sind auch unter den Bezeichnungen Steroid- oder Kortison-Präparate bekannt. Häufig fallen auch die Wirkstoffnamen wie beispielsweise Prednisolon oder Prednison. Aufgrund ihrer vielfältigen Wirkungen auf die Abwehr- und Entzündungsreaktion vermitteln sie eine starke Entzündungshemmung und stellen einen unverzichtbaren Bestandteil für die Therapie der rheumatoiden Arthritis dar.

Wichtig bei der Therapie mit Steroiden ist, dass man bei länger dauernder Einnahme die Therapie nicht von heute auf morgen absetzen darf. Die Nebennierenrinde produziert das Cortisol, eine schwache Ausgabe des Kortisons. Wenn dem Körper aber Cortisol medikamentös zugeführt wird, stellt die Nebennierenrinde die Produktion dieses lebensnotwendigen Hormons ein. Wird dann das Medikament abrupt abgesetzt, kann die Nebennierenrinde nicht mehr so schnell mit der eigenen Produktion beginnen. Tritt nun eine Stresssituation auf, wie zum Beispiel eine Infektion, eine Operation oder ein Unfall, werden größere Mengen an Steroiden kurzfristig benötigt. Diese Lieferung steht nicht zur Verfügung, da die körpereigene Produktionsanlage erst wieder "hochfahren" muss. Steroide werden deswegen in ihrer Dosis zunächst verringert bevor sie ganz abgesetzt werden können - man nennt diesen Prozess auch Ausschleichen.

Die möglichen Nebenwirkungen variieren von Patient zu Patient und sind abhängig von der Dosis und der Behandlungsdauer. Demnach sollten Steroide bei längerer Anwendung nach Möglichkeit in geringer Dosierung (weniger als 7,5 mg Prednisolon am Tag) eingesetzt werden. Oft werden Glukokortikoide bei einer Erhöhung der Krankheitsaktivität, z. B. im Rheuma-Schub, kurzfristig in höherer Dosierung verordnet und bei Abnahme der Krankheitsaktivität wieder reduziert oder "ausgeschlichen".

Basistherapeutika

Als so genannte Basistherapeutika werden Medikamente mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zur langfristigen Therapie eingesetzt. Diese Medikamente können die Symptome lindern und die fortschreitende Zerstörung der Gelenke verlangsamen. Der bekannteste Wirkstoff aus dieser Gruppe, der bei der rheumatoiden Arthritis eingesetzt wird, ist Methotrexat. Zur Basistherapie können beispielsweise auch Antimalariamittel, Sulfasalazin und Goldpräparate eingesetzt werden, häufig auch in Kombination miteinander.

Für die eigene Erwartungshaltung ist es wichtig zu wissen, dass die Wirkung und der Erfolg der Therapie erst verzögert eintreten können, d. h. nach mehreren Wochen bis Monaten.

Biologics – gezielte Entzündungshemmung

Tiefere Einblicke in die Vorgänge verschiedener, entzündlicher Erkrankungen ermöglichten die Entwicklung der so genannten Biologics. Weil diese Medikamente ganz spezifisch in bestimmte biologische Vorgänge eingreifen und selbst natürlichen Stoffgruppen nachempfunden werden (z. B. Antikörper), bezeichnet man sie als biologische Substanzen oder Biologics (engl.). Sie haben demnach einen sehr spezifischen Angriffspunkt für ihre Wirkung. Zur Therapie der rheumatoiden Arthritis werden beispielsweise Biologics eingesetzt, die ganz gezielt den körpereigenen, entzündungsfördernden Botenstoff Tumornekrosefaktor alpha (TNFα) ausschalten (siehe Was passiert im Gelenk?). Somit können die Mechanismen blockiert werden, die den Entzündungsprozess auslösen und fördern – die Schmerzen und die körperliche Funktionsfähigkeit können maßgeblich gebessert und die Gelenkzerstörung gehemmt werden. Erste Therapieeffekte können z. T. bereits innerhalb von 48 Stunden beobachtet werden. Durch regelmäßige Behandlung kann der erzielte Therapieerfolg aufrechterhalten werden. Die zurzeit zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassenen TNFα-Blocker sind Infliximab, Adalimumab und Etanercept. Weitere Biologics zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis stellen Anakinra und Rituximab dar – Anakinra hemmt die Wirkung des proinflammatorischen Zytokins Interleukin 1; Rituximab ist ein gegen B-Zellen gerichteter Antikörper (siehe Was passiert im Gelenk?).

Kortisonfreie Entzündungshemmer (nichtsteroidale Antirheumatika)

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wirken hemmend auf die Entzündung im Gelenk und lindern die Symptome wie Schmerz, Schwellung, Steifigkeit und Überwärmung. Weitere Entzündungssymptome des Körpers wie z. B. Müdigkeit oder Abgeschlagenheit bleiben jedoch unbeeinflusst. Darüber hinaus hemmen NSAR nicht die Gelenkzerstörung, das Fortschreiten der Erkrankung kann nicht aufgehalten werden. Zu den Wirkstoffen zählen hier beispielsweise Diclofenac, Ibuprofen, Indometacin oder Acetylsalicylsäure. Zu den NSAR gehören auch die so genannten COX-2 Hemmer wie z. B. Celecoxib.

Schmerzmittel

Die Symptomatik "Schmerzen" kann bei der rheumatoiden Arthritis besonders im Vordergrund stehen. Reine Schmerzmittel (Analgetika) sollten jedoch bei entzündlichen Vorgängen so weit wie möglich vermieden werden. Sie beeinflussen zwar den Schmerz, der Entzündungsprozess wird jedoch nicht verändert und somit die rheumatoide Arthritis nicht behandelt: Gelenkzerstörungen können unter der alleinigen Anwendung von Analgetika verschleiert werden und unerkannt fortschreiten. Wird die zugrunde liegende Entzündung mit anderen Medikamenten erfolgreich behandelt, sollte das Schmerzerleben auch gleichzeitig verbessert sein. Bei starkem Schmerzempfinden werden reine Schmerzmittel als Zusatzbehandlung angewendet.

Lokale Medikamente - intraartikuläre Injektionen

  • Steroide können auch in den Gelenkspalt gespritzt werden, um eine entzündlich veränderte Gelenkinnenhaut lokal zu behandeln. Liegen Beschwerden nur in einzelnen Gelenken vor, kann diese Maßnahme eine rasche Linderung bewirken.
  • Kurz wirkende radioaktive Substanzen können in den Gelenkspalt gespritzt werden, um die Gelenkinnenhaut zu veröden ("Radiosynoviorthese").