Darmbakterien helfen Krankheiten erkennen

Neue Therapiemöglichkeiten über gezielte Bakterienbesiedelung.

Über 300.000 Menschen in Deutschland leiden an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), die diagnostische Differenzierung der beiden Krankheitsbilder Morbus Crohn und Colitis ulcerosa war bislang oft umständlich und aufwendig.

Auf dem 116. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) wurde nun auch die Bedeutung der im Menschen lebenden Mikroben für die Behandlung von Krankheiten erörtert. Dabei wurden neue Erkenntnisse vorgestellt, welche in Zukunft über die Zusammensetzung der Darmmikroben eine diagnostische Unterscheidung der beiden Krankheiten über eine simple Stuhluntersuchung ermöglichen können.

Daneben gibt es auch zunehmend Hinweise, dass sich sich der Verlauf einer Colitis ulcerosa durch Neubesiedelung des Darms mit bestimmten Bakterien günstig beeinflussen lässt. Kongresspräsident Professor Dr. med. Jürgen Schölmerich von der Universität Regensburg erläutert: “Seit einiger Zeit behandeln wir Patienten mit Colitis ulcerosa nach dem Abklingen der Entzündung mit Präparaten, die einen bestimmten Stamm des Darmbakteriums E. coli enthalten. Studien haben gezeigt, dass dadurch neue Schübe der Entzündung hinausgezögert werden können.“ Noch sei jedoch abzuwarten, ob sich die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen.

Sood A, Midha V, Makharia GK, Ahuja V, Singal D, Goswami P, Tandon RK. The probiotic preparation, VSL#3 induces Remission in patients with mild-to-moderately active ulcerative colitis.
Clin Gastroenterol Hepatol. 2009 Nov;7(11):1202-9