Colitis ulcerosa: Was passiert im Darm?
Normalerweise hat der gesunde Körper eine Toleranz gegen seine eigene "gute" Darmflora, die aus immerhin zwei Kilogramm Bakterien besteht, mit denen der Mensch in einer vernünftigen Zweckgemeinschaft zusammenlebt. Der Mensch profitiert von diesen Bakterien, z. B. durch deren Vitaminproduktion.
Kommt es zu einem echten Darminfekt mit gefährlichen Keimen, lösen die Immunzellen des gesunden Körpers eine starke Entzündungsantwort aus, um die Keime wieder los zu werden. Diese Antwort wird nach erfolgreicher Beseitigung dieser "schlechten" Keime wieder heruntergefahren. Die Abwehrmechanismen gleichen einem Mosaik, das unter anderem aus körpereigenen Zellen des Immunsystems und so genannten Zytokinen besteht. Über diese Botenstoffe können Signale weitergegeben werden, so dass der Entzündungsprozess gestartet, unterhalten und kontrolliert werden kann. Wie auch beim Morbus Crohn wird vermutet, dass dieses normale Vorgehen der körpereigenen Abwehr nicht mehr funktioniert und sich Entzündungs-, Heilungs- und Toleranzprozesse in einem Ungleichgewicht befinden.
Man kann die Entzündungskaskade auch mit Dominosteinen vergleichen, die - einmal angestoßen - alle weiteren Steine im Rahmen der Kettenreaktion einer Entzündung nacheinander umfallen lassen. Wie in einem Teufelskreis regen die Botenstoffe ihre eigene Nachproduktion an, womit die Entzündung in Gang gehalten und intensiviert wird - die Entzündung wird chronisch.
Tumornekrosefaktor alpha (TNFα) ist einer der wichtigsten Botenstoffe der Entzündung. Bei Patienten mit Colitis ulcerosa konnte z. B. TNFα in großen Mengen in den entzündeten Darmabschnitten und im Stuhl nachgewiesen werden. Dies belegt, dass dieser Botenstoff in unmittelbarer Umgebung des Krankheitsgeschehens aktiv ist.



