Colitis ulcerosa:
Medikamentöse Therapie

5-ASA-Präparate

5-ASA-Präparate (5-Aminosalicylsäure), z. B. Mesalazin, dienen der Entzündungshemmung vor Ort im Darm und werden bei Schüben mit geringer bis mäßiger Aktivität verwendet. 5-ASA-Präparate sind nicht mit ASS (Acetylsalicylsäure) als beispielsweise Kopfschmerzprodukte zu verwechseln. ASS Präparate sollten bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nicht angewendet werden. 5-ASA-Präparate gibt es in Form von Tabletten, Suppositorien oder als Klysmen, die je nach Lokalisation der Entzündung angewendet werden. Eine auf den Enddarm beschränkte Erkrankung wird demnach bevorzugt mit Zäpfchen oder Einläufen behandelt.

Der Wirkungseintritt kann innerhalb von 2 Wochen erwartet werden. Bleiben der Erfolg oder Zeichen der Besserung aus oder verschlechtert sich die Erkrankung, sollte rechtzeitig ein Therapiewechsel zu stärkeren Medikamenten durchgeführt werden. Wurde der Schub erfolgreich behandelt, sollten die 5-ASA-Präparate, anders als beim Morbus Crohn, weiter gegeben werden, da die Fähigkeit die Remission zu erhalten bei der Colitis ulcerosa nachgewiesen werden konnte. Ebenso werden 5-ASA-Präparate aufgrund ihrer antientzündlichen Wirkung als Karzinomprophylaxe eingesetzt.

Patienten mit schweren Schüben sollten nicht mit 5-ASA-Präparaten behandelt werden, andere Medikamente führen dort zu besseren Resultaten.

Glukokortikoide

Glukokortikoid-Präparate werden auch als Steroid- oder Cortison-Präparate bezeichnet; häufig fallen auch die Wirkstoffnamen wie Prednisolon, Prednison oder Budesonid. Auf Grund ihrer vielfältigen Wirkungen auf die Abwehr- und Entzündungsreaktion vermitteln sie eine starke Entzündungshemmung und stellen einen unverzichtbaren Bestandteil für die Therapie der Colitis ulcerosa in akuten Situationen (Schub) dar. Sie sollten jedoch möglichst nicht langfristig zur Remissionserhaltung eingesetzt werden, da ihre Nebenwirkungen gravierend sein können (s.u.).

Eine Besserung tritt schnell, meist innerhalb von Tagen ein. Steroide werden bei Schüben mit geringer bis schwerer Aktivität eingesetzt. Während die meisten Steroide systemisch, also im ganzen Körper, ihre Entzündungshemmung entfalten, wirkt Budesonid lokal auf die Darmschleimhaut vor Ort. Budesonid kann bei geringer bis mäßiger Entzündungsaktivität des Enddarms angewendet werden.

Wichtig bei der Therapie mit Steroiden ist, dass man die Therapie nicht von heute auf morgen absetzen darf. Zum einem soll die erzielte Remission durch ein schnelles Absetzen nicht gefährdet werden. Zum anderen wurde die körpereigene Produktion von Cortisol durch die Einnahme von Steroiden heruntergefahren und kommt bei Absetzen dieser Medikamente nur langsam wieder in Gang. Tritt nun eine Stresssituation auf, wie zum Beispiel eine Infektion, eine Operation oder ein Unfall, werden größere Mengen an Cortisol kurzfristig benötigt. Steroide werden deswegen in ihrer Dosis zunächst verringert bevor sie ganz abgesetzt werden können - man nennt diesen Prozess auch Ausschleichen. Werden Steroide zu schnell reduziert, fühlen sich die Patienten oft sehr müde und antriebslos und haben Muskel- und Gelenkschmerzen.

Die möglichen Nebenwirkungen variieren von Patient zu Patient und sind abhängig von der Dosis und der Behandlungsdauer. Insbesondere bei längerer hochdosierter Einnahme kann es zu Bluthochdruck, gesteigertem Appetit mit entsprechender Gewichtszunahme, Vollmondgesicht und "Stiernacken" kommen. Starker Durst und häufiges Wasserlassen können auf eine Störung des Zuckerstoffwechsels deuten. Die wirksame Unterdrückung des Immunsystems kann die Infektanfälligkeit erhöhen. Langjährige Cortisonmedikation begünstigt Knochenerweichung bis zu spontan auftretenden Knochenbrüchen und Linsentrübung im Auge. Daher sollte versucht werden eine langfristige Therapie mit Cortison-Präparaten zu vermeiden oder zu beenden.

Bei einem Teil der Patienten ist die Wirksamkeit der Cortison-Präparate trotz ausreichender Dosierung nicht zufrieden stellend oder das Ausschleichen der Steroide nicht ohne erneute Entzündungsaktivität möglich. In dieser Situation finden andere Therapiemöglichkeiten, wie Immunsuppressiva oder Biologics ihre Anwendung.

Immunsuppressiva

Immunsuppressiva wie beispielsweise Azathioprin oder 6-Mercaptopurin unterdrücken das körpereigene Abwehrsystem, das bei der Colitis ulcerosa fehlgeleitet ist. Sie kommen zum Einsatz, wenn die bisher beschriebenen Medikamente (5-ASA-Präparate und Steroide) nicht ausreichend wirken oder nicht abgesetzt (Steroide) werden können. Kann die erfolgreich herbeigeführte Remission durch 5-ASA-Präparate nicht aufrechterhalten werden und kommt es in kurzen Zeitabständen zu erneuten Schüben, so wird ebenfalls empfohlen, Immunsuppressiva zum Einsatz zu bringen.

Bis heute ist die Wirkung von Immunsuppressiva nur in kleineren Studien bewiesen. Für die Colitis ulcerosa scheint aber eine ähnlich gute Wirkung wie beim Morbus Crohn vorzuliegen. Auch wenn der Beweis der Wirksamkeit durch große Therapiestudien noch aussteht, empfehlen die Experten den Einsatz von Azathioprin bei Colitis ulcerosa.

Wie bei jeder wirksamen Therapie kann es auch unter Immunsuppressiva zu Nebenwirkungen kommen. Zu den seltenen unerwünschten Wirkungen zählen allergische Reaktionen, Entzündung der Bauchspeicheldrüse, Veränderungen der Leber und des Blutbildes. Diese Veränderungen können sich zum Beispiel durch Übelkeit, Erbrechen oder Unterleibschmerzen äußern und/oder bei den regelmäßigen Kontroll- und Laboruntersuchungen zum Vorschein treten. Da die Immunabwehr effektiv unterdrückt wird, kann es auch hier zu einer erhöhten Infektanfälligkeit kommen.

Die meisten Patienten profitieren von der immunsuppressiven Therapie, jedoch ist es für die Erwartungshaltung wichtig zu wissen, dass die Wirkung und der Erfolg der Therapie erst verzögert eintreten, d.h. nach mehreren Wochen bis teilweise Monaten. Unter einer erfolgreichen immunsuppressiven Therapie können Steroide reduziert bzw. ganz abgesetzt werden. Immunsuppressiva werden in der Regel über einen langen Zeitraum angewendet, um langfristig ein Wiederaufflammen der Entzündung verhindern und die Erkrankung kontrollieren zu können.

Biologics

Die tieferen Einblicke in die Vorgänge verschiedener Erkrankungen ermöglichten die Entwicklung der so genannten Biologics. Da diese Medikamente körpereigenen, natürlichen Stoffen nachempfunden werden, bezeichnet man sie als Biologics oder biologische Substanzen.

Infliximab gehört zu dieser Gruppe. Es ist ein Antikörper, der spezifisch einen der entzündungsfördernden Botenstoffe, den Tumornekrosefaktor alpha (TNFα), bindet und somit ausschaltet. Infliximab kann den entzündlichen Prozess und die daraus resultierende Zerstörung der Darmschleimhaut reduzieren. Infliximab wird angewendet, wenn die Behandlung einer mittelschweren bis schweren aktiven Colitis ulcerosa mit einem Steroid und Azathioprin oder 6-Mercaptopurin nicht ausreichend wirkt oder eine Unverträglichkeit oder andere Gründe gegen solche Therapien bestehen.

Der Wirkungseintritt kann zumeist innerhalb von Tagen erwartet werden. Die Anwendung erfolgt als Infusion über eine Armvene. Mit einer regelmäßigen Behandlung kann der erzielte Therapieerfolg aufrechterhalten und begleitende Steroid-Präparate reduziert und oft gestoppt werden. Studien konnten belegen, dass die Darmschleimhaut durch Infliximab abheilen und die Notwendigkeit für Krankenhausaufenthalte reduziert werden kann.

Auch unter der Therapie mit Infliximab kann es zu unerwünschten Wirkungen kommen. Dazu zählen allergische Reaktionen und Infusionsreaktionen, die im Allgemeinen von milder Natur und gut behandelbar sind. Selten kommt es zu neurologischen Wirkungen oder zur Verschlechterung einer Herzinsuffizienz. Da die Immunabwehr effektiv unterdrückt wird, kann es auch hier zu einer erhöhten Infektanfälligkeit kommen. Vor Anwendung von Infliximab oder anderen Therapien gegen TNFα sollten die Patienten daher auf eine Tuberkulose hin untersucht werden.

Antibiotika

Besteht der Verdacht auf eine bakterielle Infektion, werden Antibiotika bei der Behandlung der Colitis ulcerosa zur Unterstützung der Haupttherapie eingesetzt. Da bei der Colitis ulcerosa eine Verschiebung des Gleichgewichts zwischen Abwehr und Tolerierung von bakteriellen Besiedelungen in der Darmschleimhaut besteht, können antibakterielle Medikamente hier wirksam sein. Produkte mit den Inhaltsstoffen Metronidazol und Ciprofloxacin kommen hier zum Einsatz. Antibiotika werden aber nicht dauerhaft eingesetzt.