Colitis ulcerosa: Dickdarmentfernung
Patienten, denen mit den bis hierher aufgeführten Therapien nicht ausreichend geholfen werden konnte, oder die eine dauerhafte starke Medikation nicht einnehmen wollen bzw. können, wird die Entfernung des Dickdarms empfohlen. Auch bei schweren Komplikationen oder bei Vorliegen von Krebsvorstufen wird eine Kolektomie durchgeführt. Dazu bieten sich prinzipiell zwei Möglichkeiten an: Die Anlage eines dauerhaften künstlichen Darmausgangs (Stoma) oder die Anlage eines so genannten ileoanalen Pouch (ileoanal: Verbindung zwischen Dünndarm und After; Pouch [engl.]: Tasche, Beutel). Ein ileoanaler Pouch (IAP) ist eine Tasche, die durch die operative Verbindung von Dünndarmanteilen entsteht und eine normale Kontinenz ermöglicht, also den kontrollierten Stuhlabgang über den After zulässt.
Zur Anlage eines Pouch wird manchmal zunächst ein vorübergehender künstlicher Darmausgang gelegt, der nach der Abheilung der Darmnähte (circa 2-3 Monate) wieder zurückverlegt wird. Nach Anlage eines Pouch kann die durchschnittliche Stuhlfrequenz von beispielsweise 14 Stuhlgängen vor Operation auf 5 Stuhlgänge reduziert werden.
Die chirurgische Entfernung des Dickdarms ist ein komplexes Operationsverfahren, das mit Komplikationen verbunden sein kann. So besteht ein Risiko zur Entwicklung von Infektionen an der Nahtverbindung oder eines Nahtbruchs bzw. einer Verengung der Darmschlingen. Auch die anale Inkontinenz oder eine Impotenz kann nicht ausgeschlossen werden.
Eine weitere Komplikation stellt die so genannte Pouchitis dar. Eine Zunahme der Stuhlfrequenz, Schmerzen und gelegentlich Blut, Schleim oder Fieber können zur Symptomatik zählen. Die Pouchitis tritt oftmals schubartig bei bis zu einem Drittel aller Patienten mit Pouchanlage auf und lässt sich meist recht gut mit Antibiotika behandeln, kann sich aber auch sehr hartnäckig jeglichen Therapiebemühungen widersetzen. In diesem Fall bleibt oft nur die Anlage eines dauerhaften Stomas als Lösung übrig. Aufgrund der Weiterentwicklung der operativen Techniken in den vergangenen Jahren konnte die Komplikationsrate nach Pouchanlage reduziert werden. Zusätzlich ist der richtige Zeitpunkt zur Operation ein wesentlicher Faktor zur Vermeidung von Komplikationen. Demnach ist es wichtig, die operative Entfernung des Dickdarms frühzeitig als Therapieoption zur Behandlung der Colitis ulcerosa mit einzubeziehen. Ebenso trägt eine konsequente Nachsorge durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen zur Verbesserung der Situation bei.
Insgesamt kann die Lebensqualität der Betroffenen jedoch nach chirurgischer Entfernung des Dickdarms Werte erreichen, die denen der Normalbevölkerung entsprechen.



